Die Wilhelm Gronbach GmbH aus Wasserburg am Inn hat beim Amtsgericht Rosenheim einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung eingereicht. Das Gericht gab dem Antrag statt und ernannte Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun zum vorläufigen Sachwalter. Das Verfahren soll einen bereits vor rund einem Jahr angestoßenen Restrukturierungsprozess am bayerischen Stammsitz zu Ende führen. Die übrigen Standorte der Gronbach Gruppe in Österreich, Italien und der Slowakei sind nicht betroffen und arbeiten uneingeschränkt weiter.
Rund 180 Beschäftigte in Wasserburg sind vom Verfahren unmittelbar berührt. Ihre Lohn und Gehaltszahlungen sind für die Monate April bis Juni durch das gesetzliche Insolvenzgeld abgesichert. Die operative Führung vor Ort bleibt laut Unternehmensangaben voll funktionsfähig und wird durch die Sanierungsgeschäftsführer Markus Fauser und Johannes Chrocziel von der Kanzlei Anchor ergänzt.
Das Unternehmen nennt mehrere Ursachen für die finanzielle Schieflage. Seit Ende 2022 belastet eine anhaltende Konjunkturschwäche das Geschäft. Inflation und geopolitische Unsicherheiten haben die Kaufbereitschaft im Segment Küchenmöbel erheblich gedämpft. Gleichzeitig stiegen Beschaffungs und Lohnkosten deutlich an, ohne dass diese angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks an Kunden weitergereicht werden konnten. Zusätzlich hatte der Rückzug von Grosskunden bei bestimmten Produkten im vierten Quartal 2025 kurzfristige Kapazitätsanpassungen notwendig gemacht.
Fauser erklärte, die notwendigen strukturellen Massnahmen hätten sich im laufenden Betrieb ohne gerichtlichen Rahmen nicht rasch genug umsetzen lassen. Die Eigenverwaltung schaffe nun die rechtliche Grundlage für eine zügige Neuausrichtung bei fortlaufendem Betrieb.
Das 1964 gegründete Familienunternehmen zählt zu den Premiumzulieferern der Hausgeräteindustrie und produziert in Wasserburg hochwertige Gebläsesysteme sowie Komponenten für Hersteller wie Miele, Liebherr und BSH. Die gesamte Gruppe beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 125 Millionen Euro. Gruppenchef Xaver Auer zeigte sich zuversichtlich, gemeinsam mit Sachwalter und Sanierungsexperten eine tragfähige Lösung erarbeiten zu können.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
