Die Carl Labs GmbH aus Wien hat beim Handelsgericht Wien einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens gestellt. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Abundance GmbH firmierte, scheitert mit seinem ambitionierten Konzept als Dienstleister für junge Biotechnologiefirmen.
Das Geschäftsmodell von Carl Labs basierte auf der Vermietung vollausgestatteter Laborflächen an aufstrebende Startups. Auf rund 1.200 Quadratmetern im 23. Wiener Gemeindebezirk betrieb das Unternehmen moderne Laboreinheiten, darunter BSL-1- und BSL-2-Labore. Nach der Fertigstellung im Jahr 2023 waren die Flächen schnell belegt. Mehrere Investoren hatten das Vorhaben zuvor mit insgesamt 1,25 Millionen Euro unterstützt. Ziel war es, die Lücke zwischen wissenschaftlicher Grundlagenforschung und der Marktreife neuer Produkte zu schließen.
Doch das Modell erwies sich als anfällig. Gleich zwei der wichtigsten Mieter gerieten ihrerseits in finanzielle Schwierigkeiten und meldeten Insolvenz an. Die daraus resultierenden Mietausfälle rissen ein erhebliches Loch in die Einnahmen, während die laufenden Kosten konstant blieben. Karl Quendler von Creditreform beschreibt die Situation knapp: Die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens sei zuletzt vollständig weggebrochen.
Zusätzlich belastete das Scheitern eines weitaus größeren Vorhabens die Lage. Carl Labs plante gemeinsam mit der 6B47 Real Estate Investors AG einen BioTech-Hub mit 18.000 Quadratmetern Laborfläche und einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro. Als 6B47 im Februar 2025 selbst Insolvenz anmeldete, war auch dieses Projekt hinfällig.
Laut Creditreform sind 31 Gläubiger von der Pleite betroffen. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf rund 4,1 Millionen Euro. Drei Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Ob eine Fortführung des Betriebs im Sinne der Gläubiger sinnvoll ist, bleibt noch zu klären.
Der Fall reiht sich in eine schwierige Phase der österreichischen Biotechnologiebranche ein. Das Startup Sarcura aus Klosterneuburg meldete im Mai 2025 Insolvenz an, obwohl es noch 2022 sieben Millionen Euro eingesammelt hatte. Das börsennotierte Unternehmen Marinomed aus Korneuburg musste bereits 2024 ein Sanierungsverfahren beantragen.
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