Das Tageselternzentrum Salzburg (TEZ) hat einen Insolvenzantrag gestellt. Vorstand und Geschäftsführung sahen sich dazu gezwungen, nachdem alle Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre nicht ausgereicht hatten, um die finanzielle Schieflage des Vereins zu beheben. Hohe Lohnabschlüsse nach der Coronapandemie hätten die ohnehin angespannte Lage deutlich verschärft und vorhandene Rücklagen aufgezehrt.
Eine externe Wirtschaftsprüfung bestätigte, dass der Verein dauerhaft nicht kostendeckend betrieben werden kann. Die Einnahmen aus Fördergeldern und Elternbeiträgen reichen lediglich aus, um die Personalkosten zu decken. Sachkosten können unter diesen Bedingungen nicht mehr beglichen werden.
Das Land Salzburg hatte die Förderbeiträge zuletzt im März angehoben, doch dieser Schritt kam zu spät und fiel zu gering aus. Ein Versuch, eine 20-prozentige Zulage für Tageseltern vollständig zu streichen, scheiterte. Die erzielte Einigung mit der Gewerkschaft auf eine Reduzierung um lediglich fünf Prozent erwies sich als unzureichend. Hinzu kamen durch die Kündigung von 27 Mitarbeitern erhebliche Abfindungsansprüche, Überstundenvergütungen und offene Urlaubsansprüche in Hohe von mehreren hunderttausend Euro.
Landeshauptmannstellvertreterin Marlene Svazek zeigte sich verärgert über die Vereinsführung. Wochenlang habe das TEZ versichert, mit dem neuen Fördermodell auszukommen. Die tatsächliche Dimension der finanziellen Probleme sei erst durch den Insolvenzantrag ans Licht gekommen. Von der drohenden Zahlungsunfähigkeit sei die Landespolitik vollkommen überrascht worden.
Von der Insolvenz sind mehr als 500 betreute Kinder sowie deren Familien betroffen. Svazek steht nach eigenen Angaben in engem Kontakt mit dem Hilfswerk, das bereits positive Signale gesendet hat, die Betreuungsplätze zu übernehmen. Das Land hatte die Fördermittel gemeinsam mit TEZ und Hilfswerk so ausgearbeitet, dass das Hilfswerk unter identischen Bedingungen kostendeckend arbeiten kann. Das TEZ selbst betonte, einen geordneten Übergang für die betroffenen Kinder und Eltern anzustreben und die hohe Nachfrage nach Betreuungsplatzen im Bundesland weiterhin sicherzustellen.
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