Nach rund 60 Jahren Firmengeschichte hat die Stecher-Gruppe aus Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet. Das auf Präzisionsdrehtechnik und Automatisierungslösungen spezialisierte Familienunternehmen mit Sitz in Sauldorf-Krumbach beschäftigt am deutschen Standort etwa 175 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nun gefährdet sind.
Als Hauptauslöser der Krise nennt Geschäftsführer Günter Stecher den Iran-Krieg, der bei zahlreichen Kunden zu einem abrupten Einfrieren der Budgets geführt habe. Fest vereinbarte Aufträge seien daraufhin nicht mehr abgerufen worden. Verstärkt wurde die Schieflage durch hohe Energie und Personalkosten, ausufernde Bürokratie sowie die Zollpolitik der USA. Auch von der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz erhoffte sich Stecher Entlastung, doch bislang sei nichts passiert.
Das Unternehmen war zuletzt weltweit tätig und belieferte Kunden aus dem Maschinenbau sowie der Automobilindustrie. Gegründet wurde der Betrieb 1964, Günter Stecher führt ihn gemeinsam mit seinem Bruder Michael in zweiter Generation. Vor gerade einmal sechs Jahren zeichnete das Land Baden-Württemberg die Gruppe mit einem Innovationspreis aus. Umso schwerer wiegt das aktuelle Scheitern für den Firmenchef: Er bezeichnet die Insolvenz als brutalste Niederlage seiner beruflichen Laufbahn.
Während die Auslandsstandorte in Rumänien und der Türkei nach aktueller Einschätzung weiter bestehen sollen, ist die Zukunft des deutschen Betriebs ungewiss. Für die Belegschaft ändert sich zunächst wenig. Die Löhne werden für drei Monate über Insolvenzgeld gesichert, die Produktion läuft im Mehrschichtbetrieb weiter. Vorhandene Aufträge reichen vorerst aus, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Stecher will die gewonnene Zeit nutzen, um das Unternehmen grundlegend neu auszurichten und im Rahmen des Insolvenzverfahrens einen Investor zu finden. Ob dieser Plan gelingt, bleibt abzuwarten.
Update vom 01.11.2026
Die Stecher-Gruppe ist inzwischen aufgeteilt und weitgehend übernommen worden. Die Gruppe bestand aus drei Gesellschaften: Stecher Drehtechnik mit etwa 130 Beschäftigten, Stecher Automation mit etwa 45 Beschäftigten sowie den Auslandsstandorten in der Türkei und Rumänien mit zusammen rund 125 Beschäftigten. Als Grund für die Insolvenz im April 2026 gilt Zahlungsunfähigkeit.
Die operative Tätigkeit von Stecher Automation übernahm im Juli 2026 die neu gegründete DarkFab Automation GmbH mit Sitz in Sauldorf-Krumbach. Geschäftsführer sind Günter Stecher und Alexander Gilles. Stecher Drehtechnik ging zum 1. Oktober 2026 an die Gewo Feinmechanik GmbH aus Hörlkofen in Bayern. Das Unternehmen beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und bearbeitet Präzisionsmetalle für die Halbleiter-, Luftfahrt- und Medizintechnik. Gewo investiert am Standort Krumbach, ersetzt Maschinen und schult die Belegschaft. Alle etwa 130 Mitarbeiter wurden übernommen, nur Einzelne verließen das Unternehmen nach der Insolvenz. Günter Stecher bleibt in leitender Funktion an Bord. Er hatte vor der Insolvenz privates Geld eingebracht und auf sein Gehalt verzichtet.
Viele regionale und mittelständische Kunden blieben dem Betrieb erhalten, Großkunden aus der Automobilindustrie werden dagegen nicht mehr bedient. Auch die Auslandsstandorte soll Gewo übernehmen, bürokratische Hürden verzögern dies bislang.
Weitere aktuelle Unternehmensinsolvenzen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht der aktuellen Insolvenzen.
