Der Düsseldorfer Hygienepapierhersteller Jung Papier GmbH ist zahlungsunfähig und saniert sich nun in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Düsseldorf gab dem Insolvenzantrag des Unternehmens statt, wie dieses am 2. November 2026 mitteilte. Die Firma ist der Nachfolger des traditionsreichen Toilettenpapierherstellers Hakle und beschäftigt 155 Menschen.

Geschäftsführung bleibt am Steuer

Bei der Eigenverwaltung behält die bisherige Führung die operative Kontrolle über den Betrieb. Geschäftsführer ist Volker Jung. Das Unternehmen versteht sich als Familienbetrieb. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht die Geschäftsführung und wahrt die Interessen der Gläubiger. Diese Aufgabe übernimmt der Rechtsanwalt Christian Holzmann aus der Kanzlei Brinkmann & Partner. Als Berater steht dem Unternehmen Marc Oberhardt von RSM Ebner Stolz zur Seite.

Nach Angaben von Volker Jung läuft die Produktion uneingeschränkt weiter. Die Löhne und Gehälter der Belegschaft sind bis Ende Januar 2027 über das Insolvenzgeld gedeckt, das Vorfinanzierungsmodell zahlt sie vorab aus. Das Insolvenzgeld sichert Beschäftigten üblicherweise für bis zu drei Monate den Nettolohn, wenn ihr Arbeitgeber zahlungsunfähig wird. Den Geschäftsbetrieb sieht das Unternehmen nach eigener Darstellung auf absehbare Zeit finanziert.

Investorensuche soll weitergehen

Das Verfahren verfolgt das Ziel, die Firma und die Arbeitsplätze zu erhalten. Die Eigenverwaltung soll den Betrieb stabilisieren und Zeit für die Suche nach einem Geldgeber verschaffen. Gespräche mit Investoren haben bereits begonnen. Die Geschäftsführung will sie fortsetzen und weitere Interessenten ansprechen. Am Ende soll eine langfristige Perspektive für den Standort, die Beschäftigten und die Kunden stehen.

Welche Ursachen zur neuerlichen Zahlungsunfähigkeit führten, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor. Auch zum Umsatz und zu möglichen Folgen für Lieferanten liegen keine Angaben vor.

Von Ludwigsburg nach Düsseldorf

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1928 zurück. Damals gründete Hans Klenk in Ludwigsburg die Hakle. Der Markenname ist eine Kurzform seines Namens. In Ludwigsburg entstand eine frühe deutsche Papierfabrik für Toilettenpapier. Nach eigener Darstellung brachte Hakle bereits in jenem Jahr als erste Firma Toilettenrollen auf den deutschen Markt.

1954 zog die Fabrik von Ludwigsburg nach Mainz um. 1972 präsentierte Hakle das weltweit erste Toilettenpapier mit drei Lagen. Fünf Jahre später folgte das erste feuchte Toilettenpapier. 1999 verlegte die Firma ihren Sitz nach Düsseldorf.

Die Insolvenz von 2022

Schon im September 2022 hatte die Hakle GmbH Insolvenz angemeldet. Als Gründe nannte das Unternehmen damals hohe Energie und Materialpreise. Zudem konnte es gestiegene Beschaffungs und Transportkosten nicht ausreichend an den Handel weitergeben.

2023 fand sich eine Lösung mit der italienischen Sofidel-Gruppe. Sofidel übernahm die Marke Hakle und besitzt bis heute die Markenrechte. Den Produktionsstandort Düsseldorf-Reisholz behielt dagegen das Unternehmen selbst. Im Zuge dieses Verfahrens erhielt es den Namen Jung Papier GmbH.

Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.

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