Die Hamburger Handtuchmarke Kushel steckt in ernsten finanziellen Schwierigkeiten. Das Hamburger Amtsgericht ordnete am 23. Oktober 2026 für die Betreibergesellschaft Gustavo Trading eine vorläufige Insolvenzverwaltung an. Öffentlich bekannt gemacht wurde der Beschluss am 26. Oktober. Die Kommanditgesellschaft sitzt am Holstenkamp im Stadtteil Bahrenfeld. Neben Kushel gehört die Rucksackmarke Ethnotek zu ihrem Geschäft.
Verwalterin übernimmt die Kontrolle
Als vorläufige Insolvenzverwalterin bestellte das Gericht die Rechtsanwältin Annika Schinkel. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist bislang nicht eröffnet. In dieser Vorphase soll die Verwalterin das Vermögen des Unternehmens sichern und einschätzen, wie es um die Firma steht. Rechtsgeschäfte über das Firmenvermögen gelten nur, wenn Schinkel einwilligt. Die Geschäftsführung verliert damit einen Teil ihrer Handlungsfreiheit.
Über die Folgen für Beschäftigte, Kunden und Geldgeber liegen bislang keine konkreten Angaben vor. Auch zu den nächsten Schritten oder zu einer möglichen Suche nach einem neuen Investor äußerte sich bisher niemand. Üblicherweise können Beschäftigte in einem solchen Verfahren Insolvenzgeld beziehen. Die Arbeitsagentur übernimmt dann für höchstens drei Monate die ausstehenden Nettolöhne.
Ursachen noch ungeklärt
Offiziell ist nicht geklärt, warum die Firma in die Zahlungsunfähigkeit geriet. Einem Kundenschreiben zufolge soll das Unternehmen mitgeteilt haben, dass ein Geldgeber abgesprungen sei. Unabhängig bestätigt ist das nicht. Auf einem Bewertungsportal berichten Kunden außerdem, sie hätten schon vor der Pleite falsche oder fehlerhafte Ware erhalten.
Im Oktober 2025 hatte sich Jim Tichatschek zur Lage geäußert. Demnach setzte zurückhaltendes Kaufverhalten dem Unternehmen zu. Seit Juni 2025 schreibe die Firma aber wieder schwarze Zahlen und habe ihr Sortiment ausgebaut.
Kushel war 2018 mit einer Schwarmfinanzierung auf Kickstarter an den Start gegangen. Das damalige Ziel von 15.000 Euro erreichte die Marke früh. Das Unternehmen selbst gibt an, mehr als eine Million Bäume gepflanzt zu haben.
Anleger und die Plattform OneCrowd
Im Oktober 2025 warb Gustavo Trading über die Plattform OneCrowd um Kapital von Kleinanlegern. Angestrebt war eine Summe von höchstens einer Million Euro, die Anleger sollten neun Prozent Zinsen pro Jahr erhalten. Nach Angaben eines Finanzportals steuerten 287 Anleger zusammen rund 430.000 Euro bei. Das Unternehmen bestätigte diese Zahl nicht.
Auch OneCrowd ist zahlungsunfähig. Dieses Insolvenzverfahren läuft rechtlich getrennt von dem der Hamburger Handelsgesellschaft. Für etwa 70 noch laufende Finanzierungen mit zusammen 33,6 Millionen Euro plant die Finexity Gruppe, die Betreuung zu übernehmen. Ob die Anlage in Kushel dazugehört, ist offen. Anleger müssen daher weiter abwarten, wie das Verfahren verläuft und welche Ansprüche sie geltend machen können.
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