Di.. Juli 28th, 2026

Ein fehlender Großauftrag hat ein Wiener Technologieunternehmen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Die W2P Engineering GmbH, ansässig im 16. Bezirk der österreichischen Hauptstadt, steht vor einem gerichtlichen Sanierungsverfahren. Zehn Beschäftigte bangen nun um ihre Stellen.

Beim Handelsgericht Wien beantragte das Unternehmen die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung. Die Löhne der Belegschaft wurden bis einschließlich Mai 2025 beglichen.

W2P Engineering gründete sich 2016 und spezialisierte sich auf hochwertige Tischgeräte für den dreidimensionalen Druck. Die Abnehmer kommen aus der Zahnmedizin, der Hörgerätebranche und der Schmuckherstellung. Technologische Grundlage ist ein Verfahren, bei dem Licht flüssigen Kunststoff schichtweise aushärtet und so dreidimensionale Objekte entstehen lässt. Vier Patente sowie mehrere eingetragene Marken und Designrechte sichern das technologische Fundament des Unternehmens.

Mehrere Faktoren brachten das Unternehmen in Bedrängnis. Der weggebrochene Folgeauftrag eines bedeutenden Kunden traf die Firma empfindlich. Gleichzeitig verzögerte sich die gemeinsam mit dem türkischen Mehrheitseigner Redon Teknoloji geplante Vertriebsoffensive. Das türkische Unternehmen hält 77,59 Prozent der Anteile und litt seinerseits unter den wirtschaftlichen Folgen der Konflikte in der Ukraine und im Iran. Dazu kamen massive Versorgungsengpässe bei elektronischen Bauteilen, die die Fertigung der Druckgeräte erheblich verlangsamten. Mehrere Kunden verlegten ihre Bestellungen auf das dritte Quartal 2026.

Die Schulden belaufen sich auf rund 810.000 Euro. Auf der Aktivseite stehen technische Anlagen, Maschinen, Lagerbestände sowie Rechte und Lizenzen.

Trotz der schwierigen Lage arbeitet das Unternehmen an neuen Geräten. Ein kompaktes Modell für Zahnarztpraxen befindet sich bereits in der Testphase, ein leistungsstärkeres Gerät für Dentallabore noch in der Konstruktion. Die Geschäftsführer Simon Gruber und Mark Laws wollen den Betrieb fortführen und dabei neue Aufträge über die Vertriebsstrukturen des türkischen Hauptgesellschafters gewinnen. Dafür ist allerdings eine noch nicht bezifferte Fortführungskaution erforderlich.

Parallel prüfen die Verantwortlichen gemeinsam mit dem künftigen Insolvenzverwalter den Verkauf einzelner Vermögenswerte sowie die Suche nach strategischen Partnern. Teilschließungen einzelner Bereiche stehen zur Debatte, um kurzfristig Liquidität zu schaffen.

Den Gläubigern bietet das Unternehmen eine Befriedigungsquote von 20 Prozent an, erwirtschaftet aus dem laufenden Betrieb.

Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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