Feuer, Kurzarbeit, explodierende Energiepreise – und jetzt die Zahlungsunfähigkeit: Das Familienunternehmen Tullau Pappen hat beim Amtsgericht Heilbronn einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Zwei Standorte und 90 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1878 zurück, als Firmengründer Christian Räuchle die Tullauer Mühle im heutigen Landkreis Schwäbisch Hall erwarb. Die Mühle selbst war da bereits seit 1650 in Betrieb. Heute droht diesem traditionsreichen Betrieb das Ende.
Hohe Energiekosten als Haupttreiber
Hauptursache der finanziellen Schieflage sind massiv gestiegene Ausgaben für Strom, Gas und Öl. Beide Produktionsstätten – der Hauptsitz im baden-württembergischen Tullau sowie ein Zweigwerk im bayerischen Trauchgau im Oberallgäu – arbeiten energieintensiv. Zusätzlich belasten teure Pflichtankäufe von CO2-Zertifikaten die Bilanz. Geschäftsführer Matthias Kurz spricht von denkbar schlechten Rahmenbedingungen. Er schließt eine Sanierung aus eigener Kraft dennoch nicht aus.
An jedem der beiden Standorte sind 45 Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Lohnansprüche sind durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich Oktober 2026 abgesichert. Die Belegschaft wurde bereits in Betriebsversammlungen über die Lage informiert. Der Betrieb läuft an beiden Standorten weiter.
Verkauf als möglicher Ausweg
Der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun strebt den Erhalt aller Arbeitsplätze an. Als konkrete Option nennt er den Verkauf der gesamten Firmengruppe oder einzelner Teile davon. Die Aussichten bewertet er als nicht ungünstig. Das Unternehmen beliefere namhafte Kunden, die auf spezialisierte Produkte angewiesen seien, die andere Hersteller nicht anbieten könnten. Diese Abhängigkeit schütze den Betrieb in gewissem Maß vor dem Verlust von Abnehmern.
Krise erfasst gesamte Branche
Tullau Pappen ist kein Einzelfall. Die deutsche Papier- und Pappenindustrie steht unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck. Erst kürzlich gab die Papierfabrik Schleipen Paper aus Bad Dürkheim ihren Betrieb auf – nach 289 Jahren.
Für Tullau Pappen wäre eine Schließung nicht die erste schwere Krise. Während der Pandemie 2020 brach der Altpapiermarkt ein, Kurzarbeit war die Folge. Im Jahr 2024 zerstörte ein Großbrand in einer Betriebshalle Sachwerte im Wert von rund einer halben Million Euro. Das Unternehmen überstand beides. Ob es nun ein drittes Mal gelingt, ist offen.
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