Mitten in einem wachsenden Windkraftmarkt gerät ausgerechnet die Dienstleistungstochter des wichtigsten deutschen Branchenverbands in wirtschaftliche Schieflage. Die BWE-Service GmbH aus Berlin stellte Ende August 2026 einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Rund 50 Beschäftigte bangen nun um ihre Stellen.
Die Gesellschaft ist vollständig im Besitz des Bundesverbands WindEnergie und organisiert für die Branche Weiterbildungsveranstaltungen, Fachkonferenzen und Publikationen, darunter das Mitgliedermagazin „neue energie“. Der Verband selbst bleibt von der Zahlungsunfähigkeit seiner Tochtergesellschaft unberührt.
Dass die Schwierigkeiten nicht aus dem Nichts kamen, zeigt ein Blick in den Geschäftsbericht 2025 bis 2026. Damals beschäftigte die GmbH noch rund 60 Mitarbeiter, erzielte einen Jahresumsatz von etwa 6,9 Millionen Euro und führte 227 Veranstaltungen durch, darunter 13 Großveranstaltungen. Doch gleichzeitig brach die Nachfrage nach Seminaren und Webinaren merklich ein. Im letzten Quartal 2025 leitete das Unternehmen deshalb bereits eine Kosten- und Organisationsanalyse ein. Für das laufende Jahr gab die Geschäftsführung ausdrücklich der Stabilisierung Vorrang vor weiterem Wachstum.
Als Hauptursache für den Einbruch nennt der Bundesverband WindEnergie sinkende Budgets in der Branche, insbesondere bei Weiterbildung und Marketing. Aus Branchenkreisen werden daneben Vorwürfe wegen jahrelanger Misswirtschaft laut, die sich gegen Vorstand und Geschäftsführung richten. Öffentlich belegte Nachweise dafür fehlen bislang. Welchen Anteil interne Entscheidungen am Absturz tragen, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen.
Das Verfahren in Eigenverwaltung soll den laufenden Geschäftsbetrieb zunächst sichern. Der Verband kündigt eine schärfere inhaltliche Ausrichtung der Gesellschaft an und will deren Leistungsfähigkeit innerhalb weniger Monate wiederherstellen. Ob und wie viele Stellen wegfallen, ließ er bisher offen. Betriebsbedingte Kündigungen gelten jedoch als wahrscheinlich. Die Gehälter der Belegschaft kann die GmbH nach aktuellem Stand nicht mehr aus eigenen Mitteln finanzieren.
Den deutschen Windkraftmarkt insgesamt trifft die Pleite der Servicegesellschaft nicht. Im ersten Halbjahr 2026 gingen Windkraftanlagen an Land mit einer Gesamtleistung von 2.363 Megawatt neu ans Netz, sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die installierte Onshore-Leistung erreichte Ende Juni knapp 70.000 Megawatt. Der Verband selbst warnte allerdings am 21. August vor möglichen Verzögerungen bereits genehmigter Projekte durch Neubewertungen seitens der Banken, ausgelöst durch geplante Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz und beim Netzanschlussrecht.
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