Mitten in einem Milliardenboom stolpert der mächtigste deutsche Windkraftverband über seine eigenen Finanzen. Die BWE Service GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Bundesverbands Windenergie, ist zahlungsunfähig. Rund 50 Beschäftigte am Berliner EUREF-Campus in Schöneberg bangen um ihre Stellen.
Dabei brummt die Branche wie selten zuvor. Allein im Jahr 2025 gingen in Deutschland neue Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 5200 Megawatt ans Netz. Der Marktwert dieser Neuinstallationen übersteigt sechs Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund wirkt die Zahlungsunfähigkeit der Verbandsgesellschaft wie ein grober Widerspruch.
Aus Verbandskreisen kommen schwere Vorwürfe. Insider beschuldigen Vorstand und Geschäftsführung, die Finanzen der GmbH über Jahre schlecht verwaltet zu haben. Die Ausgaben sollen dabei deutlich aus dem Rahmen geraten sein. Selbst die monatlichen Gehälter der Belegschaft lassen sich nach Informationen aus dem Umfeld des Verbands nicht mehr begleichen. Der BWE bestätigte die Zahlungsunfähigkeit seiner Tochtergesellschaft.
Vor Gericht strebt die GmbH nun eine Sanierung unter eigener Regie an. Ob alle Arbeitsplätze dabei erhalten bleiben, ist fraglich. Betriebsbedingte Kündigungen gelten als wahrscheinlich.
Die BWE Service GmbH verantwortet den kommerziellen Arm des Verbands. Weiterbildungsangebote und Dienstleistungen für die Windkraftbranche gehören zu ihrem Kerngeschäft. Gemeinsam mit dem Mutterverband gibt sie zudem die Fachzeitschrift Neue Energie heraus. Der Jahresumsatz der Gesellschaft liegt bei etwa sechs Millionen Euro.
Der Mutterverband selbst gilt als größte Interessenvertretung der Windkraftbranche in Deutschland und zählt zu den bedeutendsten Verbänden im Bereich erneuerbarer Energien weltweit. Etwa 17.000 Mitglieder, darunter Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen, gehören ihm an. Sie dürften nun kritisch prüfen, wohin ihre Mitgliedsbeiträge in den vergangenen Jahren geflossen sind.
Weitere Einzelheiten will der Verband nach eigenen Angaben am Montag öffentlich machen.
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