Do.. Aug. 27th, 2026

Im Allgäu endet eine über 160 Jahre alte Unternehmensgeschichte. Der Pharmabetrieb im schwäbischen Illertissen schließt seine Tore endgültig, 280 Beschäftigte verlieren ihre Stelle.

Schon 1860 ließ der Ulmer Unternehmer Heinrich Mack in Illertissen eine Fabrik errichten. Zunächst entstanden dort Seife und Drogerieartikel, später wurde das Werk zum Arzneimittelstandort. Anfang der 1970er Jahre übernahm der amerikanische Pharmakonzern Pfizer das Gelände. 2014 trat dann der russische Medikamentenhersteller R-Pharm als neuer Eigentümer auf den Plan und führte den Betrieb als deutsche Tochtergesellschaft weiter.

Doch der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine veränderte alles. Die daraufhin verhängten Sanktionen der Europäischen Union sowie russische Gegenmassnahmen entzogen dem Unternehmen die wirtschaftliche Grundlage. Im März dieses Jahres stellte R-Pharm Germany den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Seitdem suchte Insolvenzverwalter Markus Fröhlich intensiv nach einem Käufer, der den Standort hätte retten können. Zuletzt zeigten noch zwei Interessenten ernsthaftes Interesse an einer Übernahme. Beide scheiterten jedoch am selben Hindernis: Den Nachweis einer gesicherten Finanzierung konnten weder der eine noch der andere erbringen.

Dabei wäre ein Kaufpreis allein nicht ausreichend gewesen. Laut Fröhlich hätte ein Erwerber darüber hinaus erhebliche zusätzliche Mittel bereitstellen müssen, um den laufenden Betrieb wieder zu stabilisieren und neue Auftraggeber zu gewinnen. Diese Kombination aus Kaufpreis und notwendigen Folgeinvestitionen erwies sich als zu hohe Hürde.

Nun folgt die geordnete Abwicklung. Nur noch 50 bis 60 Mitarbeiter bleiben befristet beschäftigt, um diesen Prozess zu begleiten. Für die übrigen Beschäftigten verhandelte Fröhlich kurzfristig einen Sozialplan mit dem Betriebsrat aus. „Diese Entscheidung fällt mir ausserordentlich schwer“, erklärte der Insolvenzverwalter. Er verwies dabei ausdrücklich auf die Folgen für die Betroffenen, ihre Angehörigen und die gesamte Region.

Für Illertissen bedeutet das Ende des Werks einen empfindlichen wirtschaftlichen Einschnitt. Eine Tradition, die mit Seife und Boraxprodukten begann und einst als Pflegemittel in vielen deutschen Haushalten präsent war, findet damit ihr abruptes Ende.

Weitere aktuelle Unternehmensinsolvenzen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht der aktuellen Insolvenzen.

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