Ein oberbayerischer Milchverarbeiter steckt in der Krise: 110 Beschäftigte bangen um ihre Zukunft, nachdem die Almil AG beim zuständigen Amtsgericht Mühldorf am Inn die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt hat.
Das Unternehmen mit Sitz im oberbayerischen Polling verarbeitet Milch zu Pulverprodukten wie Milch- und Molkenpulver, stellt Kondensmilch und andere länger haltbare Milchprodukte her und handelt mit Milchrohstoffen. Warum das Unternehmen jetzt in finanzielle Schieflage geraten ist, dazu schweigt die Firmenleitung.
Bekannt wurde Almil vor allem durch seinen Standort im Pollinger Ortsteil Weiding. Dort lief bis zuletzt die Produktion von Kondensmilch unter dem bekannten Markennamen Bärenmarke. Dieser Standort stand schon in der Vergangenheit mehrfach vor dem Aus.
Die Geschichte des Werkes ist eng mit dem Lebensmittelkonzern Hochwald Foods GmbH verknüpft, dem die Marke Bärenmarke seit 2004 gehört. Hochwald wollte sich 2018 aus Weiding zurückziehen. Die neu gegründete Almil AG übernahm daraufhin das Werk und rettete damals 120 Arbeitsplatze. Nur wenige Jahre später drehte sich das Verhältnis um: Zum Jahresbeginn 2020 stieg Hochwald bei Almil ein und sicherte sich die Mehrheit am Unternehmen. Seither läuft der Vertrieb der Bärenmarke über diese Beteiligung.
Nun befindet sich Almil in einem gerichtlich begleiteten Sanierungsverfahren. Der Vorstand bleibt dabei im Amt und steuert den Prozess eigenverantwortlich. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter überwacht das Vorgehen, greift aber nicht in die Geschäftsführung ein.
Der laufende Betrieb soll vorerst ohne Einschränkungen weitergehen. Almil teilte mit, man habe frühzeitig und aus eigener Initiative einen Sanierungsprozess angestossen, um die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens dauerhaft zu sichern. Kunden und Geschäftspartner müssten derzeit keine Veränderungen befürchten.
Für die 110 Beschäftigten übernimmt die Bundesagentur für Arbeit die Lohnzahlungen für bis zu drei Monate. Diese Leistung, bekannt als Insolvenzgeld, sichert die Gehälter bis einschliesslich Oktober 2026. Ob der Standort Weiding dauerhaft erhalten bleibt, ist derzeit offen.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
