Seit 1985 staatlich anerkannt, nun in der Krise: Die Merz Akademie in Stuttgart, eine Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien, steht vor einem wirtschaftlichen Neustart. Das Stuttgarter Amtsgericht hat einem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in vorläufiger Eigenverwaltung stattgegeben. Die Hochschule will den Lehrbetrieb dabei ohne Unterbrechung aufrechterhalten.
Drei Faktoren haben die Hochschule in die finanzielle Schieflage getrieben. Das bisherige Finanzierungsmodell trägt die laufenden Kosten nicht mehr. Dazu kommen sinkende Studierendenzahlen und der Wegfall bedeutender Kooperationsvereinbarungen. Die Kombination dieser Faktoren machte den Gang zum Gericht unvermeidlich.
Das Verfahren betrifft ausschließlich die Hochschule selbst. Die weiteren Einrichtungen des Merz Bildungswerks, darunter eine Schule, ein Berufskolleg und ein Kindergarten, arbeiten als rechtlich eigenständige Organisationen weiter und bleiben von der Zahlungsunfähigkeit unberührt. Das Merz Bildungswerk ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation in freier Trägerschaft.
Die Geschäftsführung bleibt im Amt. Unter gerichtlicher Aufsicht und mit Unterstützung eines Rechtsanwalts führt sie die Hochschule durch das Verfahren. Bewerbungen für das kommende Wintersemester laufen bereits. Lehrveranstaltungen, Projekte und Prüfungen finden planmäßig statt.
In den nächsten Monaten will die Akademie ihre Gespräche mit dem Land Baden-Württemberg, anderen Hochschulen, Stiftungen und Unternehmen deutlich intensivieren. Ziel ist eine dauerhaft tragfähige Finanzstruktur, die den Fortbestand der Hochschule langfristig sichert.
Die Merz Akademie blickt auf eine mehr als vierzigjährige Geschichte zurück. Markus Merz gründete sie 1983 neu, zwei Jahre später folgte die staatliche Anerkennung in Baden-Württemberg. Seitdem ist sie eine feste Größe in der deutschen Hochschullandschaft für gestalterische und künstlerische Ausbildung.
Geschäftsführerin Andrea Zweifel betont, das Verfahren schaffe einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für die Neuaufstellung. Rektorin Barbara M. Eggert sieht die Sicherung des Studienalltags als oberste Priorität. Arbeitsplätze will die Hochschulleitung soweit wie möglich erhalten.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
