Ein behördliches Verbot trifft ein bayerisches Pflegeheim mitten ins Mark: Das Seniorenzentrum Wohnstift Innblick im niederbayerischen Neuhaus am Inn kämpft seit dem Sommer 2026 um seine wirtschaftliche Existenz. Auslöser der Krise ist eine Teilschließungsanordnung vom 29. Juli 2026, die dem Haus untersagt, Bewohner der Pflegegrade 4 und 5 aufzunehmen und zu betreuen. Auch Kurzzeitpflegeplätze darf das Zentrum seitdem nicht mehr anbieten.
Der Einnahmeausfall durch die Verlegung betroffener Bewohner und den Wegfall ganzer Pflegebereiche ließ sich kurzfristig nicht auffangen. Als Konsequenz stellte die Wohnstift Innblick GmbH beim Amtsgericht Passau einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Das Gericht gab dem Antrag statt und ordnete die vorläufige Eigenverwaltung am 21. August 2026 an.
Die Unternehmensführung bleibt damit vorerst im Amt. Sie leitet den laufenden Betrieb eigenständig weiter, steht dabei jedoch unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters. Diese Rolle übernimmt Rechtsanwalt Julian Hageböke von der Kanzlei BRL Boege Rohde Luebbehuesen. Flankiert wird die Geschäftsleitung von den Restrukturierungsexperten Johannes Chrocziel und Alexander Reus der Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft.
Für die rund 140 Beschäftigten des Hauses sichert die Bundesagentur für Arbeit die Lohn und Gehaltszahlungen über das Insolvenzgeld ab. Die pflegerische Betreuung der verbleibenden Bewohner läuft nach Angaben der Beteiligten unverändert weiter. Das Seniorenzentrum verfügt über 183 Pflegeplätze, 25 Appartements für betreutes Wohnen sowie einen ambulanten Pflegedienst.
Gegen die behördliche Anordnung hat die Wohnstift Innblick GmbH Widerspruch eingelegt. Gleichzeitig sucht das Unternehmen das Gespräch mit der zuständigen Fachstelle für Pflege und Behinderteneinrichtungen. Ziel ist eine dauerhafte Lösung, die sowohl Bewohnern als auch Mitarbeitern eine Perspektive bietet.
Das Unternehmen wurde 2015 gegründet und 2022 durch einen Neubau erweitert. Sachwalter Hageböke betonte, man arbeite gemeinsam mit allen Beteiligten daran, das Haus auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament zu stellen.
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