Der deutsche Biermarkt schrumpft seit Jahren – und die Folgen treffen nun auch eine der ältesten Brauereien des Landes mit voller Wucht. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren im Allgäu kämpft ums Überleben, und dieser Kampf kostet Dutzende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.
Nur 38 der bislang 84 Stellen bleiben am Standort Kaufbeuren erhalten. 46 Arbeitsplätze fallen weg. Den betroffenen Mitarbeitern soll der Wechsel in eine Transfergesellschaft offenstehen. Das ist der soziale Kern eines Sanierungsplans, der den Braubetrieb im Allgäu langfristig retten soll.
Am 28. August 2026 eröffnete das zuständige Gericht das Verfahren zur Regelung der Zahlungsunfähigkeit für die operative ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH in Eigenverwaltung. Bereits im Juni hatte das Amtsgericht Aalen die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer leitet das Unternehmen weiter. Gerichtlich bestellter Sachwalter ist Olaf Spiekermann, der das Verfahren überwacht.
Finanzielle Rückendeckung kommt vom bisherigen Mehrheitsgesellschafter, der ROKiT-Gruppe. Diese stimmte dem Sanierungskonzept zu und stellte die erforderlichen Mittel bereit. Zimmerer machte die Lage unmissverständlich klar: Ohne diese Mittel wäre eine Stilllegung des Betriebs unausweichlich gewesen.
Als Ursachen der Krise nannte Zimmerer eine im Branchenvergleich zu große Belegschaft, zu hohe Personalkosten, sinkenden Bierabsatz, gestiegene Rohstoffpreise, einen Investitionsstau sowie verpasste Produkttrends.
Die Produktion läuft dennoch weiter. Das Sortiment aus Bieren, Weinmischgetränken und Limonaden bleibt vollständig erhalten. Teile der Belieferung von Gaststätten, Veranstaltungen und Handelskunden will die Brauerei künftig an bestehende Partner abgeben.
Die Branche insgesamt steht unter erheblichem Druck. Der Bierabsatz deutscher Brauereien sank 2025 um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter – der stärkste Rückgang seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der Brauereien binnen eines Jahres um 53 auf 1.415 Betriebe.
Die Aktienbrauerei Kaufbeuren gilt als letzte Vertreterin einer jahrhundertelangen Brautradition in der Stadt. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1308 zurück.
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