Seit 135 Jahren behandelt das Marienhospital Stuttgart Patienten – nun steht das renommierte Krankenhaus vor einem Schuldenschnitt. Das Amtsgericht Stuttgart ordnete auf Antrag der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH die vorläufige Eigenverwaltung an. Die bisherige Geschäftsführung bleibt dabei zunächst im Amt.
Das Zahlungsunfähigkeitsverfahren betrifft nicht nur das Marienhospital selbst. Auch drei weitere Einrichtungen des Trägers sind davon erfasst: die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme im badenwürttembergischen Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen. Rund 3.000 Beschäftigte wurden über die Lage unterrichtet.
Interimschef Jan Schlenker betonte, der Betrieb laufe weiter. An allen Standorten würden Patienten wie gewohnt versorgt.
Das Marienhospital zählt zu den bedeutendsten Kliniken der Region. Mit rund 760 Betten, etwa 2.000 Mitarbeitern und jährlich 30.000 Behandlungsfällen gilt es als unverzichtbarer Bestandteil der medizinischen Versorgung in Stuttgart und weit darüber hinaus. Seit 1983 betreibt das Haus eines der wenigen Zentren für Schwerbrandverletzte in Baden-Württemberg.
Scharf reagierten Vertreter aus Politik und Krankenhauswesen. Der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Heiner Scheffold, machte die Bundespolitik verantwortlich. Diese gefährde selbst bedarfsnotwendige Häuser und bedrohe die Vielfalt der Krankenhausträger.
Auch der Präsident des Deutschen Landkreistags, Achim Brötel, forderte Konsequenzen. Er verlangte, geplante Mittelkürzungen durch das sogenannte Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu stoppen, über das der Bundestag in Kürze abstimmen soll.
Das Landesgesundheitsministerium bestätigte den Ernst der Lage. Die wirtschaftliche Situation der Kliniken habe sich in den vergangenen zwei Jahren erheblich verschlechtert. Eine geplante Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung werde diesen Druck noch verstärken.
Ein Ministeriumssprecher warnte ausdrücklich vor weiteren Zusammenbrüchen. Auch Häuser mit besonderer Bedeutung für die regionale Versorgung könnten betroffen sein. Brötel schlug in dieselbe Kerbe: Ohne eine grundlegende Kurskorrektur in der Krankenhauspolitik stehe die Funktionsfähigkeit des gesamten Klinikwesens auf dem Spiel. Die Landkreise seien finanziell nicht in der Lage, die entstehenden Lücken zu schließen.
Die 1890 von der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern gegründete Einrichtung gilt als eines der bekanntesten katholischen Krankenhäuser Süddeutschlands.
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