Ein Verein aus dem Hannoveraner Stadtteil Kronsberg, der Migranten bei der Integration unterstützen sollte, hat Insolvenz angemeldet. Pikant dabei: In den vergangenen Jahren erhielt die Organisation Fördergelder in Millionenhöhe. Was damit geschah, ist bislang ungeklärt.
Konkret geht es um Zuwendungen von mehr als 924.000 Euro aus dem EU-Fonds für Asyl, Migration und Integration, über 350.000 Euro vom Land Niedersachsen sowie knapp 9.000 Euro von der Region Hannover. Seit Ende März untersucht ein vorläufiger Insolvenzverwalter die Finanzflüsse des Vereins. Laut Amtsgericht Hannover kann diese Prüfung mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Gegründet wurde der Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ im Jahr 2019 von Hülya Iri, damals Ratsmitglied der SPD in Hannover. Der erklärte Zweck war die Beratung von Migranten sowie deren Unterstützung beim Berufseinstieg. Doch Anwohner und ehrenamtliche Helfer berichten, dass die Büroräume am Kronsberg meist verschlossen waren und dort kaum Menschen gesehen wurden. Eine Internetpräsenz oder Auftritte in sozialen Netzwerken existieren nicht. Inzwischen führt Iris Tochter den Verein laut Vereinsregister.
Die CDU in Hannover fordert umfassende Aufklärung. Kreisvorsitzende Martina Machulla verlangt zu wissen, ob die geförderten Projekte tatsächlich stattgefunden haben, wie die Mittel eingesetzt wurden und ob Kontrollmechanismen versagt haben. Das Landessozialamt prüft unterdessen, ob möglicherweise unzulässige Doppelförderungen vorliegen. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover gingen fünf anonyme Anzeigen wegen angeblicher finanzieller Unregelmäßigkeiten ein. Strafrechtliche Ermittlungen wurden jedoch nicht aufgenommen, da bislang kein Anfangsverdacht bestehe.
Auch innerhalb der SPD sorgt der Fall für erhebliche Unruhe. Iri legte ihr Mandat als stellvertretende Fraktionsvorsitzende nieder, offenbar auf Druck der Partei. Hinweise auf Unregelmäßigkeiten sollen dort bereits seit 2024 bekannt sein. Derzeit wird ein Parteiordnungsverfahren geprüft, das auch Iris Kinder betreffen könnte. Ihr Anwalt mahnt zu Zurückhaltung bei der Bewertung des Sachverhalts. Für Iri gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
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