Der Zusammenbruch kam schnell. Weniger als zwei Monate nach dem Eigentümerwechsel steht der Allgäuer Batteriespeicherhersteller Sonnen vor dem wirtschaftlichen Aus. Das Unternehmen mit Sitz in Wildpoldsried bei Kempten stellte einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Gegründet wurde Sonnen im Jahr 2010 von Christoph Ostermann unter dem Namen Prosol. Das Kerngeschäft umfasst Stromspeichersysteme für Photovoltaikanlagen sowie ein System zur Vernetzung von Heimspeichern zu virtuellen Großkraftwerken. Über 150.000 Kunden nutzen die Produkte des Unternehmens, das gesellschaftsrechtlich als Sonnen GmbH unter dem Dach der Sonnen Holding firmiert.
Der Absturz der Geschäftszahlen ist dramatisch. Der Umsatz der Sonnen GmbH brach zwischen 2023 und 2024 von 264 Millionen Euro auf nur noch 78 Millionen Euro ein. Gleichzeitig wuchs der Verlust von neun Millionen Euro auf 107 Millionen Euro an. Im gesamten Jahr 2024 verkaufte das Unternehmen lediglich 6.773 Speichersysteme – knapp ein Fünftel des Vorjahreswertes. Als Ursachen nannte das Unternehmen eine Marktsättigung, den Wegfall staatlicher Förderprogramme und Fehleinschätzungen beim Wettbewerb mit günstigeren Anbietern aus China.
Anfang 2019 übernahm der Energiekonzern Shell das Unternehmen für kolportierte 500 Millionen Euro vollständig. Zuvor hatten sich bereits Finanzinvestoren wie GE Ventures beteiligt. Shell investierte nach dem Kauf Berichten zufolge nochmals einen ähnlich hohen Betrag. Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung stellte der Konzern jedoch zahlreiche Projekte ein und bot Sonnen im September 2023 zum Verkauf an – zunächst mit einer angestrebten Bewertung zwischen 1,3 und 1,8 Milliarden Euro.
Im August dieses Jahres erwarb der Vermögensverwalter und Family-Office Tiven, hinter dem Unternehmer Gert Purkert steht, das Unternehmen für einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Ziel war eine Sanierung und ein anschließender Weiterverkauf. Externe Restrukturierungsexperten sollten dabei helfen. Daraus wird nun nichts.
Von der ehemals über 1.300 Mitarbeiter zählenden Belegschaft waren im Januar noch 800 beschäftigt, davon 400 am Stammsitz in Wildpoldsried. Das Bestandsgeschäft und der Kundendienst sollen vorerst weiterlaufen. Mehrere Tochterfirmen werden hingegen abgewickelt oder in Eigenverwaltung überführt. Nur ein einziger Produktionsstandort bleibt erhalten.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
