Seit dem 2. Oktober 2026 stehen die Kräne still. Die Schultheiß Projektentwicklung AG aus Nürnberg ist zahlungsunfähig – und mit ihr stockt der Bau von mehr als 150 Wohnungen in der Metropolregion.

Der Einbruch trifft drei Gruppen gleichzeitig: rund 90 Beschäftigte, Handwerksbetriebe mit unbezahlten Rechnungen und Wohnungskäufer, die auf ihre Schlüssel warten. Das Amtsgericht Nürnberg bestellte am 5. Oktober 2026 den Rechtsanwalt Dr. Jochen Zaremba zum vorläufigen Verwalter des insolventen Unternehmens. Das Aktenzeichen lautet IN 1530/26. Seit seiner Bestellung darf die Gesellschaft weder frei über ihr Vermögen verfügen noch eigenständig Zahlungen leisten.

Betroffen sind Bauprojekte in Nürnberg und in Röthenbach an der Pegnitz. Darunter befinden sich 16 Eigentumswohnungen am Sailersberg, die ursprünglich im Januar 2027 fertig werden sollten. Auch ein Vorhaben mit 20 Wohnungen, das das Unternehmen zuletzt noch mit einem Richtfest gefeiert hatte, liegt nun auf Eis. Die Zahl bereits verkaufter Einheiten ist bislang nicht bekannt.

Für Wohnungskäufer greift zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Ratenzahlung nach Baufortschritt. Eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch sichert den Eigentumsanspruch ab. Dennoch bleibt ein erhebliches Risiko: Der Verwalter entscheidet allein darüber, ob die Projekte weiterlaufen. Kommt es zu keiner Fortführung, müssen Käufer den Rohbau übernehmen und auf eigene Kosten fertigstellen. Mehrkosten lassen sich dann nur noch als Forderung im Verfahren anmelden. Experten raten dazu, keine weiteren Raten zu überweisen, den aktuellen Baustand zu dokumentieren und rechtliche Beratung zu suchen.

Handwerksbetriebe, die noch auf Bezahlung warten, müssen ihre offenen Rechnungen als reguläre Insolvenzforderungen anmelden. Wie viel davon zurückfließt, bleibt offen. Erfahrungsgemäß trifft es kleinere Betriebe am Ende der Zulieferkette besonders hart.

Die knapp 90 Beschäftigten haben gesetzlichen Anspruch auf Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit für bis zu drei Monate. Ob Stellen dauerhaft erhalten bleiben, hängt davon ab, ob der Geschäftsbetrieb weitergeführt wird.

Das Unternehmen ist seit 2009 am Markt. Bereits im Mai 2024 hatte es für damals 147 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Der Umsatz war zuvor von fast 72 Millionen Euro auf knapp 53 Millionen Euro im Jahr 2021 gesunken.

Verwechslungsgefahr besteht mit der Schultheiss Wohnbau AG, einem eigenständigen Nürnberger Unternehmen, das mit der Insolvenz nichts zu tun hat.

Wenn Sie weitere aktuelle Firmeninsolvenzen im DACH Raum suchen, finden Sie diese in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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