Nach 75 Jahren Firmengeschichte steht die Höhbauer GmbH aus Luhe-Wildenau vor ihrer schwersten Bewährungsprobe. Das auf Fenster, Türsysteme und Wintergärten spezialisierte Familienunternehmen aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab hat beim Amtsgericht Weiden einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Rund 330 Beschäftigte bangen nun um ihre Arbeitsplätze.

Das Amtsgericht Weiden bestellte Rechtsanwalt Volker Böhm aus Nürnberg zum vorläufigen Verwalter. Dessen Beschluss trat an einem Montag um 10 Uhr in Kraft. Ein förmliches Insolvenzverfahren über das Vermögen der GmbH läuft damit noch nicht. Zunächst steht die gründliche Prüfung der wirtschaftlichen Lage auf der Tagesordnung.

Böhm informierte die Belegschaft noch am selben Tag gemeinsam mit der Geschäftsführung vor Ort. Eine wichtige Botschaft für die Mitarbeiter: Die Gehälter und Löhne fließen bis einschließlich November weiter, finanziert durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit. Der Betrieb läuft derweil ungehindert fort.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1950 zurück. Damals gründete die Familie Höhbauer eine Zimmerei, aus der über Jahrzehnte ein bedeutender Hersteller von Bauelementen wurde. Im vergangenen Jahr feierte das Unternehmen noch sein 75-jähriges Bestehen. Nun zwingt die Krise zum Handeln.

Die Ursachen der Schieflage sind branchentypisch. Gestiegene Energie, Material und Personalkosten sowie höhere Zinsen dämpften die Nachfrage nach Neubau und Sanierungsprojekten erheblich. Die daraus folgenden Umsatzrückgänge untergruben schließlich die langfristige Finanzierungsbasis des Unternehmens. Bereits im Lagebericht für das Geschäftsjahr 2023/24 hatte die Geschäftsführung auf einen starken Ergebnisrückgang hingewiesen und für das Folgejahr ein negatives Jahresergebnis vorhergesagt.

Geschäftsführer Christoph Höhbauer räumte ein, dass der Schritt zur Zahlungsunfähigkeitsmeldung eine schwere Entscheidung gewesen sei. In enger Abstimmung mit dem vorläufigen Verwalter wolle man nun die Folgen für Kunden und Belegschaft so gering wie möglich halten.

Böhm zeigte sich vorsichtig optimistisch. Er verwies auf die langjährige Tradition, die qualifizierte Belegschaft und den guten Ruf des Unternehmens am Markt. In den kommenden Wochen will er gemeinsam mit seinem Team und der Geschäftsführung mögliche Sanierungswege ausloten.

Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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