Rund 1.000 Kinder, sieben betroffene Kommunen und 300 Beschäftigte, deren Gehälter nur noch bis Jahresende gesichert sind: Die finanzielle Schieflage der Awo family gGmbH im Landkreis Darmstadt-Dieburg zieht immer größere Kreise. Als erste Kommune im Kreis hat Weiterstadt nun gehandelt.

Die Stadtverordnetenversammlung stimmte am 22. Oktober einstimmig dafür, die Trägerschaft der beiden Weiterstädter Kindertagesstätten „Sternenzauber“ und „Sternenhimmel“ zu übernehmen. Ab 2027 führt die Stadt die Einrichtungen in eigener Regie. Bürgermeister Niklas Gehnich hatte den Antrag kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt.

Die Begründung war klar: Die Awo family gGmbH steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Familien und Beschäftigte brauchen Planungssicherheit. Hinzu kommen wirtschaftliche Risiken für die Stadt, darunter offene Forderungen aus Betriebskostenabrechnungen, Cateringleistungen und Versicherungsansprüchen wegen eines Gebäudeschadens.

Die bestehenden pädagogischen Konzepte beider Einrichtungen sollen auch unter städtischer Trägerschaft fortgeführt werden. Ob die Übernahme kostenneutral bleibt, wie die Verwaltungsvorlage es in Aussicht stellt, bezweifeln mehrere Stadtverordnete offen. Sowohl die CDU-Stadtverordnete Ina Dürr als auch Tom Geisser von der SPD wiesen auf finanzielle Risiken hin, die mit jeder Übernahme von Verantwortung einhergehen.

Die Awo family gGmbH begrüßte die Einigung und erklärte, gemeinsam mit der Stadt an einem reibungslosen Übergang zu arbeiten. Gleichzeitig betonte Sprecher Helmut Kaufmann, dass Weiterstadt eine Einzelentscheidung getroffen habe. Der Träger strebe mit allen übrigen betroffenen Kommunen ein tragfähiges Konzept zur Fortführung an.

Insgesamt betreibt die Awo family gGmbH elf Einrichtungen im Kreis Darmstadt-Dieburg, verteilt auf sieben Kommunen: neben Weiterstadt auch Alsbach-Hähnlein, Bickenbach, Griesheim, Ober-Ramstadt, Roßdorf und Groß-Zimmern. Die jährlichen Zuwendungen der Kommunen an den Träger belaufen sich auf Millionenbeträge.

Als Ursachen für die finanzielle Notlage nennt die Awo family gGmbH sinkende Kinderzahlen, mangelnde Auslastung der Kitas sowie den Verlust von vier Einrichtungen in Pfungstadt. Die Stadt Pfungstadt hatte den Betreibervertrag im Frühjahr 2025 gekündigt, nachdem fehlerhafte Abrechnungen in Höhe von rund 200.000 Euro aufgedeckt worden waren. In Bickenbach schliesst Bürgermeister Markus Hennemann eine Trägerübernahme ebenfalls nicht aus.

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