Ein mit einem Michelin-Stern dekoriertes Hotel- und Gastronomiekonzept im thüringischen Dermbach steht vor einer erneuten Bewährungsprobe. Das Amtsgericht Meiningen ordnete bereits am 16. September eine vorläufige Insolvenzverwaltung für die Rhöner Botschaft GmbH an. Jakob Schwarz übernimmt als vorläufiger Insolvenzverwalter die Kontrolle über das Vermögen des Unternehmens.
28 Beschäftigte sind unmittelbar betroffen. Ihre Lohnansprüche sichert die Bundesagentur für Arbeit für den gesetzlich vorgesehenen Zeitraum ab. Hotel, Wellnessbereich und beide Restaurants bleiben derweil geöffnet, bestehende Reservierungen behalten ihre Gültigkeit, neue Buchungen sind möglich.
Einschränkungen gibt es allerdings bei bereits erworbenen Gutscheinen und geleisteten Anzahlungen. Diese lassen sich aus rechtlichen Gründen derzeit nicht einlösen.
Hinter dem Konzept steht Sternekoch Björn Leist, 48 Jahre alt, der zuletzt noch im Sommer seinen Michelin-Stern erfolgreich verteidigte. Gemeinsam mit Eigentümer Thomas Fickel betreibt er im historischen Fachwerkgebäude „Sächsischer Hof“ aus dem Jahr 1623 ein Genusshotel mit 27 Zimmern und fünf Apartments sowie die Restaurants WohnZimmer und BjoernsOx. Letzteres gehört zu nur vier Sternerestaurants im gesamten Freistaat Thüringen.
Als Ursachen der finanziellen Schieflage nennt die Geschäftsführung die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie, massiv gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten sowie eine anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Trotz verschiedener Gegenmaßnahmen gelang es dem Unternehmen nicht, eine dauerhaft tragfähige wirtschaftliche Grundlage zu schaffen.
Für Leist ist es nicht der erste Gang durch ein Insolvenzverfahren. Bereits 2015 musste er für sein damaliges Hotel Engel im hessischen Hilders Zahlungsunfähigkeit anmelden. Explodierende Umbaukosten hatten das Familienunternehmen damals mit 1,8 Millionen Euro Schulden belastet. Das Ende kam abrupt, die Bank zog innerhalb von zwei Tagen die Reißleine. In Dermbach, rund 20 Minuten entfernt, fand Leist anschließend einen Neustart.
Insolvenzverwalter Schwarz zeigt sich zuversichtlich. Er verweist auf den etablierten Namen des Hauses und ein engagiertes Team als solide Ausgangsbasis für eine Sanierung. Parallel führt er Gespräche mit Verpächtern, Lieferanten und Geschäftspartnern und leitet einen Prozess zur Suche nach Investoren ein.
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