Steigende Transportkosten und nachlassende Kaufbereitschaft bei Bioprodukten haben einem thüringischen Großhändler das Genick gebrochen. Naturkost Erfurt kämpft nun vor dem Amtsgericht Erfurt um sein Überleben.
Das 2003 gegründete Unternehmen stellte beim Amtsgericht Erfurt einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung. Rund 65 Beschäftigte an zwei Standorten bangen um ihre Stellen. Die Niederlassungen in Erfurt-Gispersleben und im sächsischen Schkeuditz bei Leipzig bleiben vorerst in Betrieb.
Geschäftsführer Thomas Hölscher behält die operative Leitung. Das Gericht stimmte dem Verfahren bereits zu. Als vorläufiger Sachwalter fungiert André Rombach von der gleichnamigen Kanzlei. Die Sanierungsgesellschaft Schultze & Braun sowie die eXnet-Gruppe begleiten den Prozess fachlich.
Christoph Rothämel von Schultze & Braun sieht das Unternehmen nicht als hoffnungslosen Fall. Das Geschäftsmodell sei grundsätzlich solide, die Ursachen der Misere lägen vor allem in äußeren Umständen. Gestiegene Kraftstoffpreise treffen einen Lieferbetrieb mit regelmäßigen Touren durch Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordbayern besonders hart. Gleichzeitig greifen Verbraucher wegen hoher Lebenshaltungskosten seltener zu teureren Bioprodukten. Für Unternehmen zwischen Produzent und Handel ergibt sich daraus eine gefährliche Schere: Die Kosten steigen, die Einnahmen sinken.
Naturkost Erfurt beliefert Bioläden, Hofläden, Lieferdienste und Gastronomiebetriebe. Das Sortiment umfasst rund 12.000 Artikel, darunter etwa 2.000 Frischprodukte. Die Pleite trifft damit nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch zahlreiche Abnehmer entlang der regionalen Versorgungskette.
Für die Belegschaft sichert das Insolvenzgeld die Gehälter zunächst für drei Monate ab. Ab Dezember soll die Lohnzahlung wieder aus dem laufenden Geschäft erfolgen. Ob alle Stellen dauerhaft erhalten bleiben, hängt von der Investorensuche ab. Die Berater prüfen, ob ein finanzstarker Partner gewonnen oder eine Eingliederung in eine größere Unternehmensgruppe realisiert werden kann.
Der Fall fügt sich in ein besorgniserregendes Gesamtbild. Von Januar bis April 2026 meldeten deutsche Amtsgerichte 8.551 Unternehmensinsolvenzen, ein Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Forderungen der Gläubiger summierten sich auf rund 13,9 Milliarden Euro. Damit setzt sich ein Trend fort, der viele Branchen erfasst hat.
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