Ein gescheiterter Rettungsversuch besiegelt das Ende eines traditionsreichen Schwarzwälder Industriebetriebs. Der einzige potenzielle Käufer für die zahlungsunfähige Baiersbronn Frischfaser Karton GmbH hat sich zurückgezogen. Damit verlieren 220 Beschäftigte am Standort Baiersbronn im Kreis Freudenstadt ihre Arbeit.
Der Produktionsbetrieb läuft noch bis zum 7. September weiter. Solange arbeiten die Mitarbeiter laufende Aufträge ab und verarbeiten verbliebene Materialbestände. Danach ist das Werk Geschichte. Die Mittel für eine Weiterführung des Geschäfts und die Auszahlung der Löhne sind schlicht nicht mehr vorhanden.
Das Amtsgericht Rottweil hatte bereits am 23. Juni ein vorläufiges Verfahren zur Abwicklung der Unternehmensschulden eröffnet. Zum vorläufigen Verwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann und Partner. Für die Monate Juni, Juli und August übernahm die gesetzliche Insolvenzgeldregelung die Lohnzahlungen an die Belegschaft.
Das Unternehmen zählt zu den bedeutenderen Herstellern von Frischfaserkarton in Europa und erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro. Seit mehr als 70 Jahren produziert das Werk in Baiersbronn Verpackungsmaterialien, vorwiegend für die Lebensmittel, Pharma und Kosmetikbranche. Früher gehörte der Betrieb zur österreichischen Mayr-Melnhof Gruppe, bevor er zusammen mit einem niederländischen Schwesterwerk in Eerbeek an die FOLBB-Gruppe überging.
Als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nannte das Unternehmen selbst die stark gestiegenen Energiekosten sowie ein insgesamt schwieriges Marktumfeld in Europa.
Die Gemeindeverwaltung Baiersbronn reagiert auf die Lage mit konkreten Schritten. Sie steht in Kontakt mit anderen regionalen Unternehmen und Landtagsabgeordneten, um den betroffenen Fachkräften neue berufliche Perspektiven zu eröffnen. Das vorrangige Ziel lautet, die qualifizierten Arbeitnehmer in der Region zu halten. Die persönliche Betroffenheit der Familien nehme die Gemeinde dabei sehr ernst, wie ein Sprecher betonte.
Für den Ort Baiersbronn, der überregional vor allem für seine Spitzengastronomie bekannt ist, bedeutet das Aus des Kartonwerks den Verlust eines wesentlichen Teils seiner industriellen Basis.
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