Seit Juni stehen die Maschinen still. Seit Juni fliessen keine Gehaelter mehr. Jetzt hat das Amtsgericht die offizielle Reissleine gezogen und dem Neumünsterer Aluminiumverarbeiter NordAlu GmbH mit Wirkung zum 28. August 2026 ein vorlaeufiges Insolvenzverfahren auferlegt. Rund 100 Beschaeftigte wissen nicht, wie es weitergeht.
Die Hamburgerin Jennie Best uebernimmt als vorlaeufige Insolvenzverwalterin das Ruder. Saemtliche Entscheidungen ueber das Firmenvermögen benoetigen ab sofort ihre Zustimmung. Ob der Betrieb jemals wieder anlaeuft, bleibt voellig ungewiss.
Dabei reichen die Warnsignale weit zurueck. Schon zu Jahresbeginn 2026 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens spaerbar. Rechnungen blieben unbeglichen, faellige Loehne flossen mitunter erst nach massivem Druck der Beschaeftigten. Die Gewerkschaft IG Metall schilderte eine Belegschaft am Rand ihrer Belastungsgrenze. Steffen Kreisl von der IG Metall brachte es auf den Punkt: Die Beschaeftigten bangten um ihr Entgelt und damit um ihre Existenz.
Den vorlaeufigen Tiefpunkt markierte der 1. Juni 2026. An diesem Tag kam die Produktion vollstaendig zum Erliegen. Als Grund gilt ein doppelter Mangel: Weder Rohmaterial noch ausreichende Energieversorgung standen zur Verfuegung. Seitdem schweigen die Anlagen.
NordAlu fertigt am Standort Neumünster spezialisierte Aluminiumprodukte fuer unterschiedliche Industriezweige. Das Unternehmen gehoert damit zu jenen mittelstaendischen Zulieferern, deren Schicksal direkt an den Konjunkturzyklen der Abnehmerindustrien haengt.
Auch die kommunale Ebene schaltete sich fruehzeitig ein. Neumünsters Oberbuergermeister Tobias Bergmann uebernahm zeitweise die Rolle eines Vermittlers. Er verknuepfte weitere Gespraeche jedoch ausdruecklich mit einer Bedingung: Erst die formale Einleitung eines Zahlungsunfaehigkeitsverfahrens oeffne die Tuer fuer neue Verhandlungen.
Diese Voraussetzung ist nun erfuellt. Was folgt, entscheidet sich in den naechsten Wochen. Gelingt es der vorlaeufigen Insolvenzverwalterin, einen Investor zu finden oder den Betrieb zu stabilisieren, koennte ein Teil der Arbeitsplaetze erhalten bleiben. Bleibt die Suche erfolglos, droht die endgueltige Schliessung des Werks.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
