Dreimal gescheitert, dreimal neu gestartet – und nun wieder am Scheideweg: Der Textilveredler Lindenfarb GmbH aus Unterkochen in Baden-Württemberg steckt erneut in der Zahlungskrise. Es ist bereits das vierte Mal binnen zehn Jahren, dass das Unternehmen den Weg zum Amtsgericht antreten muss.
Das zustaendige Gericht ordnete am 25. August eine vorläufige Verwaltung des insolventen Betriebs an und bestellte Rechtsanwalt Ilkin Bananyarli als vorläufigen Verwalter. Zusammen mit seinem Kollegen Sven Heuser analysiert er derzeit die finanzielle Lage des Unternehmens.
Schon 2016, 2019 und 2020 musste Lindenfarb Zahlungsunfaehigkeit anmelden. Besonders heikel war die Lage im Frühjahr 2019: Damals verweigerte die Bundesagentur für Arbeit die Auszahlung des Insolvenzgeldes. Sie sah das Verfahren als direkte Folge der vorangegangenen Pleite und schloss die Belegschaft damit von einer wichtigen Absicherung aus.
Diesmal gruenden die finanziellen Schwierigkeiten auf zwei Faktoren: rueckläufige Auftragseingaenge infolge der schwachen Konjunkturlage sowie stark gestiegene Energiekosten. Beides zusammen habe die Liquiditaet des Unternehmens aufgezehrt, teilt die Kanzlei des Verwalters mit.
Fuer die rund 110 Beschaeftigten am Standort Unterkochen sichert das Insolvenzgeld der Bundesagentur fuer Arbeit die Loehne und Gehaelter fuer einen Zeitraum von drei Monaten. Die Vorfinanzierung dieser Mittel befindet sich derzeit in Vorbereitung.
Der Betrieb laeuft derweil unvermindert weiter. Saemtliche Auftraege werden abgearbeitet, die Belegschaft wurde ueber die Lage informiert. Bananyarli und sein Team wollen in den naechsten Tagen zusaetzlich einen strukturierten Prozess zur Suche nach Investoren auf den Weg bringen.
Lindenfarb veredelt seit 1952 technische Textilien fuer Branchen wie die Automobilindustrie, die Luft und Raumfahrt, die Medizintechnik sowie den Bausektor. Zum Leistungsangebot zaehlen das Faerben, Bleichen, Waschen, Beschichten und die Hochveredelung von Stoffen.
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