Fehlendes Material, ausbleibende Aufträge, eine erdrückende Schuldenlast: Der österreichische Fahrradhersteller Simplon steckt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit in einer schweren Finanzkrise.
Die 2Rad Produktions GmbH, die das Unternehmen als Nachfolgegesellschaft weiterführt, hat beim Landesgericht Feldkirch die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. Rund 150 Gläubiger sind betroffen. Die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf 33,4 Millionen Euro.
Besonders brisant: Davon stammen 28,3 Millionen Euro noch aus dem vorangegangenen Sanierungsverfahren, das eigentlich als abgeschlossen galt. Diese alten Forderungen leben nun wieder auf und belasten das Unternehmen massiv.
Als Hauptursache für die erneute Zahlungsnotlage nennt das Unternehmen gravierende Probleme beim Übergang des Betriebs auf die neuen Eigentümer. Die übernommenen Warenbestände seien unvollständig und unzureichend gewesen. Fehlende Teile blockierten die Fertigung und verhinderten die termingerechte Lieferung fertiger Räder. Bestehende Aufträge konnten nicht abgearbeitet werden. Kunden blieben aus, Folgebestellungen entfielen. Am Ende stand ein massiver Liquiditätsengpass.
Darüber hinaus wirft das Unternehmen der früheren Schuldnerin vor, vor der Anteilsübernahme unvollständige und teils nicht nachvollziehbare Angaben gemacht zu haben.
Die Vorgeschichte ist bekannt: Bereits 2024 musste Simplon in Vorarlberg erstmals Zahlungsunfähigkeit anmelden. Ein Wiener Finanzinvestor übernahm daraufhin das traditionsreiche Unternehmen und präsentierte mit Christoph Manel einen neuen Geschäftsführer mit Branchenerfahrung. Die Gläubiger stimmten einem Sanierungsplan zu. Teile der Produktion am Standort Hard verlagerte das Unternehmen nach Rumänien, um Kosten zu senken.
All diese Maßnahmen reichten offenbar nicht aus. Die strukturellen Probleme der gesamten Fahrradbranche – Überkapazitäten, schwächelnde Nachfrage und gestiegene Produktionskosten – belasten weiterhin viele Hersteller.
Simplon will nun mit einem neuen Sanierungsplan gegensteuern. Das Unternehmen schlägt seinen Gläubigern eine Zahlung von 20 Prozent der offenen Forderungen vor, zahlbar innerhalb von zwei Jahren. Aktuell beschäftigt der Hersteller noch 54 Mitarbeiter am Standort Hard.
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