Das Land Sachsen-Anhalt hat bereits fast 80 Millionen Euro in den Erhalt eines Chemiewerks gesteckt – vergeblich. Nun droht rund 400 Beschäftigten die Entlassung.
Die Leuna Polyamid GmbH, Betreiberin eines Chemiewerks im sachsen-anhaltischen Leuna, steht vor dem endgültigen Stillstand. Die Suche nach einem Käufer blieb ohne Ergebnis. Geschäftsführer Martin Naundorf bestätigte, dass bislang kein einziges verbindliches Kaufangebot eines potenziellen Investors eingegangen sei. Damit verlieren voraussichtlich rund 400 Beschäftigte ihre Arbeit.
Das Werk produziert Kunststoffe und Dünger. Den Betrieb will die Gesellschaft zunächst bis Ende September aufrechterhalten, um noch laufende Aufträge zu erfüllen. Anschließend sollen die Produktionsanlagen in eigener Regie heruntergefahren werden. Dieser Prozess werde zwischen 15 und 20 Tage in Anspruch nehmen.
Die Vorgeschichte ist kompliziert. Das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals hatte Ende 2025 für seine deutschen Tochterunternehmen – darunter die Domo Caproleuna GmbH in Leuna – die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Um den Standort zu retten, sprang das Land Sachsen-Anhalt ein und finanzierte einen Notbetrieb mit rund 79,5 Millionen Euro. Energieminister Armin Willingmann von der SPD rechnet allerdings damit, dass nur ein Bruchteil dieser Summe je zurückfließen wird.
Im April übernahm die eigens gegründete Leuna Polyamid GmbH das Werk als Nachfolgegesellschaft. Je zur Hälfte gehört sie den Unternehmen Infra Leuna und Leuna-Harze. Doch bereits rund zweieinhalb Monate nach dem Neustart musste auch diese Gesellschaft einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen.
Als Ursachen nannte die Geschäftsführung zwei wesentliche Faktoren. Zum einen stiegen die Rohstoffpreise – vor allem in der Golfregion – um 40 bis zu 100 Prozent drastisch an. Zum anderen stellten Lieferanten Vorkasseforderungen, die den tatsächlichen Finanzbedarf des Unternehmens bei weitem übertrafen.
Zusätzlich belastet wird die Situation durch strafrechtliche Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Halle nahm im Mai 2026 Ermittlungen gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna GmbH auf. Der Verdacht lautet auf verschleppte Insolvenz.
Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.
