Ein radikaler Schrumpfkurs soll ein fast 900 Jahre altes Weingut in Sachsen-Anhalt vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch bewahren. Die Landesregierung hat Anfang August ein umfassendes Rettungskonzept für das Landesweingut Kloster Pforta in Naumburg verabschiedet. Ohne dieses Eingreifen, so die Einschätzung von Fachleuten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, drohe dem Betrieb bereits im Jahr 2027 die Zahlungsunfähigkeit.
Der Kern des Rettungsplans ist drastisch: Die bewirtschaftete Rebfläche schrumpft von rund 50 Hektar auf nur noch 23,5 Hektar. Zwei Weinberge sollen dabei für rund eine Million Euro an die landeseigene Muttergesellschaft veräußert und anschließend zurückgepachtet werden. Die Sanierung erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren.
Das Weingut steht seit 1137 kontinuierlich in Betrieb und gilt als das größte der Saale-Unstrut-Region. Es befindet sich zu mehr als 90 Prozent im Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt. Ein Verkauf des gesamten Betriebs steht dabei nicht zur Debatte. Das Landesfinanzministerium betonte, das Gut leiste einen wichtigen kulturhistorischen Beitrag zum Erhalt der Weinbautradition in der Region.
Die wirtschaftliche Schieflage hat mehrere Ursachen. Extreme Wetterereignisse wie Trockenperioden, Starkregen und schwere Frostschäden im Jahr 2024 verschärften eine ohnehin angespannte Lage. Hinzu kommen strukturelle Schwächen: Teile der Anbauflächen waren nicht ausreichend ausgelastet, gleichzeitig drückten zu hohe Personalkosten auf das Ergebnis. Seit Jahren schreibt der Traditionsbetrieb rote Zahlen und kann seine Liquidität nicht aus eigener Kraft sichern.
Trotz der Verkleinerung sollen die wertvollsten Lagen erhalten bleiben. Die renommierten Weinberge Saalhäuser und Pfortenser Köppelberg bleiben Teil des Betriebs. Dort wachsen unter anderem Riesling und Weißburgunder.
Ob das Konzept ausreicht, den Betrieb dauerhaft zu stabilisieren, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Uhr läuft.
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