Verbindlichkeiten von 117 Millionen Belarussischen Rubel stehen Vermögenswerten von gerade einmal 14,5 Millionen Belarussischen Rubel gegenüber. Mit dieser erdrückenden Schuldenlast hat der belarussische Agrarbetrieb Danprod einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Unternehmen betrieb den nach eigenen Angaben größten Schweinekomplex des Landes.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Auf der einen Seite türmen sich Bankschulden, auf der anderen Seite erodieren die Einnahmen. Als zentraler Treiber der Schieflage gilt der wachsende Druck durch preisgünstigeres Schweinefleisch aus Russland, mit dem belarussische Erzeuger schlicht nicht mithalten können.
Danprod nahm 2011 den Betrieb auf. Hinter dem Projekt stand unter anderem die belarussische Unternehmensgruppe Triple des Geschäftsmanns Yury Chyzh, ergänzt durch ausländische Kapitalgeber. Mit dänischer Technologie für industrielle Schweinehaltung errichtete man einen Komplex, der ab 2015 auf eine Jahreskapazität von rund 110.000 Schweinen und 11.000 Tonnen Lebendgewicht ausgelegt war. Das ursprüngliche Ziel lautete: vorrangig für den Export produzieren.
Diese Rechnung ging nicht auf. Statt auf internationalen Märkten zu wachsen, geriet das Unternehmen zwischen sinkende Erlöse und steigende Verbindlichkeiten. Das Geschäftsmodell umfasste neben der Schweinezucht und Schlachtung auch Getreideanbau sowie Futtermittelproduktion. Doch selbst diese breit aufgestellte Wertschöpfungskette konnte den Kollaps nicht verhindern.
Der Fall Danprod ist kein Einzelschicksal. Er steht symptomatisch für einen Sektor unter Druck. Dass ausgerechnet ein Vorzeigeprojekt dieser Größenordnung scheitert, signalisiert, wie ernst die Lage für private Erzeuger in Belarus ist.
Belarussische Staatsbetriebe hingegen investieren weiter. Im Gebiet Gomel entsteht bis 2028 ein neuer Mastbetrieb mit einer Kapazität von 100.000 Tieren pro Jahr. Ob der Zusammenbruch von Danprod eine breitere Marktbereinigung im belarussischen Agrarsektor einleitet, bleibt abzuwarten.
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