Seit 1854 stellt die Brauerei Allersheim Bier her. Nun steht das Unternehmen vor seiner bisher größten Bewährungsprobe. Das Amtsgericht Bielefeld hat einem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stattgegeben. Die Geschäftsführung behält dabei die Kontrolle über den Betrieb und steuert den Sanierungsprozess gemeinsam mit Fachleuten.
Restrukturierungsberater Björn Herzog von der Wirtschaftskanzlei Römermann begleitet das Unternehmen durch das Verfahren. Zusätzlich überwacht ein vom Gericht eingesetzter Sachwalter den Prozess. Geschäftsführer Dirk Brüninghaus sieht darin eine aktive Entscheidung für die Zukunft des Unternehmens, nicht das Eingeständnis einer Niederlage.
Die Lieferungen laufen unterdessen weiter. Abnehmer aus der Gastronomie, dem Getränkegroßhandel und dem Lebensmitteleinzelhandel erhalten ihre Ware planmäßig. Alle Ansprechpartner im Unternehmen stehen weiterhin zur Verfügung.
Kostendruck zermürbt die Branche
Der Weg in das Sanierungsverfahren ist das Ergebnis eines langen Drucks, der die gesamte deutsche Brauwirtschaft erfasst hat. Steigende Ausgaben für Energie, Rohstoffe, Verpackung, Logistik und Personal haben die Gewinnmargen vieler mittelständischer Betriebe über Jahre hinweg aufgezehrt. Gleichzeitig trinken die Deutschen immer weniger Bier. Die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie haben die Lage zusätzlich verschärft. Zahlreiche Brauereien haben diesen Druck nicht überlebt, die Branche hat sich spürbar verdichtet.
Auch Allersheim konnte sich dem Wandel trotz verschiedener Anpassungsversuche nicht entziehen. Das Unternehmen braute sein Wasser seit 2014 aus drei eigenen Brunnen in Westheim, seine Marken Allersheimer und Caluna gewannen mehrfach Auszeichnungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Dennoch reichten diese Stärken nicht aus, um die verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu kompensieren.
Umbau auf mehreren Ebenen geplant
Das Sanierungskonzept zielt auf eine grundlegende Neuaufstellung des Unternehmens ab. Geplant sind die Modernisierung interner Abläufe, die Weiterentwicklung des Produktangebots, eine solidere Finanzbasis sowie die Stärkung der regionalen Marktposition. Seit seiner Gründung befindet sich das Unternehmen nach eigenen Angaben in den Händen regionaler Familien. Diesen Charakter will die Brauerei auch nach dem Umbau bewahren.
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