Mi.. Juli 29th, 2026

Ein Ferkel bringt derzeit gerade einmal 30 Euro. Ein Mastschwein erzielt rund 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Für Geestferkel aus Wildeshausen war das am Ende zu wenig.

Das niedersächsische Unternehmen, einer der größten Ferkelzuchtbetriebe Deutschlands, meldete am Mittwoch die Zahlungsunfähigkeit an. 188 Beschäftigte an mehr als 20 Standorten in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stehen nun vor einer ungewissen Zukunft. Der jährliche Umsatz des Unternehmens mit Hauptsitz im Wildeshauser Ortsteil Düngstrup lag zuletzt bei rund 40 Millionen Euro. Etwa 25.000 Tiere hält der Betrieb.

Wochen intensiver Verhandlungen mit Banken und Gläubigern blieben ohne Ergebnis. Das Unternehmen sieht die Ursache in einer strukturellen Schieflage: Die Erlöse aus dem Verkauf von Ferkeln und Mastschweinen decken inflationsbereinigt nicht einmal mehr die laufenden Betriebskosten für Futter, Energie und Personal. Gleichzeitig stiegen Bau, Lohn und Finanzierungskosten in den vergangenen Jahren erheblich. Je Ferkel entsteht demnach ein Verlust von mehr als 25 Euro, je Mastschwein von über 50 Euro.

Erschwerend kommt hinzu, dass Geestferkel in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro in den Umbau von Ställen und in Tierschutzmaßnahmen investierte. Alle Standorte erfüllen die Anforderungen der Initiative Tierwohl. Eine ausreichende Vergütung dieser Mehraufwendungen blieb jedoch aus, weder über den Markt noch durch staatliche Förderung.

Rechtsanwalt Dr. Moritz Sponagel übernimmt die vorläufige Insolvenzverwaltung. Er will sich zunächst einen Überblick über Tierbestände, Lieferbeziehungen, Personalstruktur und Liquidität verschaffen. Parallel werden Gläubiger informiert und Sanierungsoptionen geprüft. Tierschutz hat dabei oberste Priorität. Für die Belegschaft wird Insolvenzgeld für Juli, August und September beantragt.

Geschäftsführer Jörn Ahlers macht auch die Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel mitverantwortlich. Wenige Großunternehmen bestimmten die Preisgestaltung. Höhere Haltungsstandards, mit denen der Handel werbe, kämen bei den Erzeugern finanziell nicht an. Ahlers fordert deshalb ein Ende kurzfristiger Wochenpreisnotierungen und deren Ersatz durch langfristige Jahrespreisvereinbarungen, wie sie in der Industrie und der Geflügelwirtschaft bereits üblich sind.

Weitere aktuelle Unternehmensinsolvenzen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht der aktuellen Insolvenzen.

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