Mi.. Juli 1st, 2026

Wenn Großkunden reihenweise abspringen, gerät selbst ein erfahrener Unternehmer ins Wanken. Genau das erlebte Gerhard Holderried, Inhaber der GeHo GmbH aus Mengen im Landkreis Sigmaringen: Mehrere Auftraggeber zogen kurz vor Vertragsabschluss ihre geplanten Investitionen zurück. Darunter ein Betrieb, der zuvor rund 200 Beschäftigte entlassen hatte und keine finanziellen Spielräume mehr sah. Dieses Szenario wiederholte sich gleich mehrfach. Am Ende blieb Holderried keine Wahl: Er stellte einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Drei Jahrzehnte Selbstständigkeit enden damit vorerst abrupt. Holderried hatte sein Unternehmen erst vor drei Jahren von Bad Saulgau nach Mengen verlegt und dort einen Neubau mit rund 2000 Quadratmetern umbauter Fläche errichtet. Die Investition kostete mehrere Millionen Euro. Zu seiner besten Zeit beschäftigte er 18 feste Mitarbeiter sowie zeitweise bis zu 20 externe Fachkräfte bei Großprojekten.

Der Fall steht nicht allein. Bis April dieses Jahres meldeten bereits mehr als 20 Unternehmen der Solarbranche ihre Zahlungsunfähigkeit an. Die Boom­jahre 2022 und 2023 sind längst Geschichte. Sinkende Energiepreise machen die Einspeisung unattraktiv: Wer Strom ins Netz gibt, erhält derzeit lediglich 6,7 Cent je Kilowattstunde, mit jährlich weiter fallendem Vergütungssatz. Gleichzeitig dominieren asiatische Anbieter den Markt. Die heimische Fertigung von Solarkomponenten ist nahezu vollständig nach Asien abgewandert.

Holderried setzt auf Qualität aus Europa und verbaut Komponenten des Herstellers AxSun aus Laupheim. Doch viele Auftraggeber greifen lieber zu günstigeren Produkten aus Fernost. Über 80 Prozent der in Deutschland installierten Wechselrichter stammen von chinesischen Herstellern wie Huawei, Sungrow oder Ginlong Solis. Holderried warnt dabei vor einem strukturellen Risiko: Chinesische Systeme arbeiten häufig über ferngesteuerte Datenzentren. Falle dort ein Schalter, drohe ein Ausfall ganzer Anlagen.

Politisch fordert Holderried bessere Rahmenbedingungen. Den Wegfall des sogenannten Resilienzbonus kritisiert er scharf, da europäische Bauteile damit nicht mehr gefördert werden. Hinzu kommen Verzögerungen beim Netzanschluss durch zuständige Versorger.

Holderried gibt die Hoffnung noch nicht auf. Er verhandelt mit einem österreichischen Speicherhersteller über einen möglichen Einstieg als Investor. Ob daraus eine Rettung wird, bleibt offen.

Weitere aktuelle Unternehmensinsolvenzen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht der aktuellen Insolvenzen.

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