Das einzige verbliebene Sportfachgeschäft in Lünen steht vor dem Ende. Für die Bewohner der Stadt bedeutet das künftig lange Wege.

Wer in Lünen Sportartikel kaufen möchte, muss ab sofort in Nachbarstädte wie Werne oder Dortmund fahren. Das Amtsgericht Dortmund eröffnete am 29. Juli 2026 das vorläufige Verfahren zur Abwicklung der Zahlungsunfähigkeit von Sport-Live. Das Geschäft im ehemaligen Hertie-Haus ist das letzte seiner Art in der Stadt.

Inhaber René Weber kämpfte von Anfang an gegen widrige Umstände. Als er das Geschäft vor rund neun Jahren gründete, verzögerten Bauarbeiten die Eröffnung um mehrere Monate. Statt im Herbst 2016 öffnete Sport-Live erst im März 2017 seine Türen. Dann folgte eine monatelange Baustelle direkt vor dem Eingang. Die Corona-Pandemie traf das noch junge Geschäft kurz darauf erneut hart. „Hätte ich die ersten Jahre damals vorhergesehen, hätte ich den Laden nicht eröffnet“, so Weber.

Trotz aller Rückschläge hielt er durch. Noch im März 2024 ließ er das Geschäft renovieren und neu gestalten. Weber verzichtete bewusst auf eine Mitgliedschaft in einem Einkaufsverbund wie Intersport, um bei der Sortimentsgestaltung und der Markenwahl freier zu sein. An dieser Entscheidung hält er fest.

Den Ausschlag für die nun eingetretene Zahlungsunfähigkeit gaben ein drastischer Umsatzeinbruch in den vergangenen vier bis sechs Wochen sowie aufgelaufene Verbindlichkeiten. Die verfügbaren Mittel reichten schlicht nicht mehr aus, um laufende Rechnungen zu begleichen. Als tiefere Ursache benennt Weber den anhaltenden Besucherschwund in der Lüner Innenstadt. Dieses Problem treffe nicht nur sein Geschäft, sondern den gesamten innerstädtischen Handel. Hinzu kämen gestiegene Kosten, die sich nicht vollständig auf die Preise umlegen ließen.

Den Onlinehandel macht Weber nicht als alleinigen Schuldigen aus. Die ursprüngliche Geschäftsplanung von vor rund zehn Jahren habe eine solche strukturelle Entwicklung schlichtweg nicht abbilden können.

Der Betrieb läuft vorerst weiter. Laufende Bestellungen und Aufträge werden regulär abgewickelt. Weber erarbeitet gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einen Plan für die nächsten Monate. Konkrete Aussagen zur Zukunft des Geschäfts seien derzeit noch nicht möglich.

Ohnehin hatte Weber die Schließung bereits ins Auge gefasst. Für Anfang 2027 plante er das Ende von Sport-Live. Ein klassisches Sportfachgeschäft in einer Innenstadt habe langfristig keine wirtschaftliche Grundlage mehr. Das Verfahren werde daher voraussichtlich in eine geordnete Geschäftsaufgabe münden.

Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.

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