Im fränkischen Adelsdorf klaffte ab 2023 eine empfindliche Lücke. Eine größere Hausarztpraxis hatte geschlossen und ließ rund 8.000 Einwohner mit längeren Wegen und wochenlangen Wartezeiten zurück. Genau hier begann Dr. Falk Stirkat seinen Neustart, nachdem sein Medizinisches Versorgungszentrum in Erlangen in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert war.

Die MZE Stirkat und Kollegen GmbH hatte im Sommer 2025 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Mehrere allgemeinmedizinische und fachärztliche Standorte im Großraum Erlangen waren betroffen. Einen Teil übernahmen anschließend andere Träger. Stirkat selbst baute parallel dazu eine neue Struktur auf: zwei eigenständige Praxen, eine in Adelsdorf, eine in Fürth, mit zusammen rund 30 Mitarbeitern.

Die Wahl fiel auf Adelsdorf nicht wegen strategischer Standortanalysen. Stirkats Familie war durch ein Hilfsprojekt für ukrainische Geflüchtete bereits in der Region verwurzelt und kannte örtliche Strukturen und Menschen. Die Praxis in Fürth entstand gleichzeitig und bedient eine städtischere Patientenschaft mit anderen Anforderungen an Erreichbarkeit. Beide Standorte haben bewusst keine gemeinsame Verwaltungsebene.

Im Februar 2026 zog die Adelsdorfer Praxis in das neu eröffnete Haus der Gesundheit in der Holzackerstraße 4. Mehrere Fachrichtungen sind dort unter einem Dach vereint, die Terminbuchung erfolgt digital, das Team arbeitet mehrsprachig.

Aus der Insolvenz seiner früheren Einrichtung zieht Stirkat drei klare Schlussfolgerungen. Erstens: Medizinische und wirtschaftliche Verantwortung dürfen nicht auf verschiedene Schultern verteilt werden. Im alten Verbund lag die kaufmännische Geschäftsführung organisatorisch getrennt von der ärztlichen Leitung. Stirkat hält das heute für einen strukturellen Fehler.

Zweitens: Eine Praxis darf nur so groß sein, dass der Inhaber sie ohne aufbereitete Berichte überblickt. Probleme bei Terminen oder im Personal soll er in der laufenden Woche bemerken, nicht erst beim Quartalsabschluss.

Drittens: Fachliche Zusammenarbeit zwischen Praxen braucht keinen gemeinsamen Eigentümer. Verlässliche Absprachen zwischen selbstständigen Einrichtungen reichen aus.

Neben der Praxisarbeit betreut das Team Pflegeheime in Mittelfranken und fährt Hausbesuche. Stirkat sieht diesen Bereich als Kernaufgabe der Hausarztmedizin, die mit zunehmend älter werdender Bevölkerung weiter an Bedeutung gewinnt.

Für die kommenden Jahre erwartet Stirkat einen weiteren Rückgang klassischer Einzelpraxen. Viele Inhaber gehen bald in den Ruhestand, die nachrückende Ärztegeneration bevorzugt Anstellungen mit planbaren Arbeitszeiten. Großen Verbundstrukturen traut er nicht zu, diese Lücke zu schließen. Seine Empfehlung lautet: mittelgroße Praxen, die Teilzeitmodelle ermöglichen, kombiniert mit festen Kooperationen und einer Ausbildung, die angehende Ärzte auch auf unternehmerische Anforderungen vorbereitet.

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