Die Bäckereikette Bäcker Lampe aus Roßleben-Wiehe in Thüringen hat Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Mühlhausen leitete daraufhin ein vorläufiges Insolvenzverfahren ein und setzte Rechtsanwalt Dr. Frank Kreuznacht als vorläufigen Insolvenzverwalter ein.
Trotz des Verfahrens bleibt der Betrieb zunächst vollständig aufrechterhalten. Alle 44 Filialen in Thüringen und Sachsen-Anhalt haben weiterhin geöffnet, die Produktion läuft ohne Unterbrechung. Zwölf der betroffenen Standorte befinden sich in Halle an der Saale. Ein Teil davon geht auf die Insolvenz des dortigen Stadtbäckers im Jahr 2016 zurück, dessen Filialen Bäcker Lampe damals übernahm.
Wie angespannt die finanzielle Lage bereits vor dem Insolvenzantrag war, zeigte ein ungewöhnlicher Versuch des Unternehmens, die gestiegenen Energiekosten durch einen vierprozentigen Aufschlag auf die Verkaufspreise an die Kunden weiterzureichen.
Rund 280 bis 300 Beschäftigte sind von der Insolvenz betroffen. Ihre berufliche Zukunft ist derzeit offen. Kurzfristig sind die Löhne und Gehälter durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Das verschafft dem Insolvenzverwalter Zeit, um Sanierungsoptionen zu prüfen und mögliche Investoren anzusprechen.
Ziel des Verfahrens ist es, den Betrieb zu erhalten, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und die Marke langfristig am Markt zu halten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Lösung gefunden werden kann.
Update vom 26.10.2026
Das Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren über Bäcker Lampe mittlerweile eröffnet. Dr. Frank Kreuznacht bleibt als Insolvenzverwalter im Amt. Die Gläubigerversammlung stimmte einstimmig dafür, den Geschäftsbetrieb fortzuführen und einen Insolvenzplan auszuarbeiten. Ziel ist die Sanierung des Familienunternehmens, das seit rund 147 Jahren besteht und in sechster Generation von André und Stephan Lampe geführt wird.
Der Betrieb schrumpft allerdings deutlich. Von ursprünglich 44 Filialen sind drei bereits geschlossen, zwölf weitere sollen folgen, darunter die Filiale in Weißenfels. Nach der Restrukturierung bleiben 29 Standorte. Auch bei der Belegschaft gab es bereits Entlassungen. Etwa 40 weitere Stellen sollen wegfallen, sodass am Ende rund 150 Arbeitsplätze bestehen. Als Ursachen der Krise nennt das Verfahren neben den gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal auch die Konsumzurückhaltung, den Preisdruck durch Discounter-Backwaren und die Inflation. Hinzu kamen deutliche Auslastungsunterschiede zwischen den Filialen.
Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters hat sich die wirtschaftliche Lage während des Verfahrens stabilisiert. Die Gläubiger unterstützen die Sanierung, die der Verwalter als sehr aussichtsreich bewertet. Angestrebt sind die Rückkehr in die Gewinnzone und der langfristige Fortbestand des Traditionsbetriebs.
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