Die Jörg Wappler Werkzeugmaschinen OHG aus Coswig kämpft ums Überleben. Das auf CNC-Werkzeugmaschinen spezialisierte Familienunternehmen hat ein vorläufiges gerichtliches Sanierungsverfahren eingeleitet und dabei den Weg der Eigenverwaltung gewählt.
Als Auslöser der Krise nannte Firmengründer Jörg Wappler (71) zwei Faktoren: stark gestiegene Betriebskosten sowie wegbrechende Aufträge. Beides zusammen habe zu einer Liquiditätskrise und der drohenden Zahlungsunfähigkeit geführt. Das Unternehmen beschäftigt 42 Mitarbeiter.
Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung behält die bisherige Geschäftsführung das Steuer in der Hand, wird aber durch externe Fachleute unterstützt. Wirtschaftsjurist Stefan Ettelt übernimmt die Rolle des Generalbevollmächtigten. Er ist überzeugt, dass dieses Verfahren eine nachhaltigere und zügigere Sanierung ermöglicht als ein klassisches Regelinsolvenzverfahren. Die Gläubigerinteressen vertritt der vorläufige Sachwalter Nils Freudenberg, der die Sanierungschancen ebenfalls positiv bewertet.
Die Belegschaft wurde nach Unternehmensangaben frühzeitig informiert. Ihre Gehälter sind durch das gesetzliche Insolvenzgeld bis Ende Mai gesichert. Wappler betonte, der Rückhalt des Teams sei in der aktuellen Lage entscheidend. Auch Kunden und Lieferanten hielten dem Unternehmen die Treue, der laufende Geschäftsbetrieb sei nicht unterbrochen.
Als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Stabilisierung gilt eine Hausmesse, die Ende Mai stattfinden soll. Dort will das Unternehmen Produkte und Kernkompetenzen einem Fachpublikum vorstellen. Unternehmensberater Ronny Baar zeigte sich zuversichtlich: Das Unternehmen sei im Kern gesund, was die Ausgangslage für eine erfolgreiche Neuaufstellung deutlich verbessere.
Die Firma wurde nach der Wiedervereinigung gegründet und ist seit 2017 in einem Neubau im Coswiger Ortsteil Sörnewitz ansässig. Neben Jörg Wappler gehören seine Söhne Max (38) und Franz (35) zu den Gesellschaftern. Coswig erlebt damit bereits den zweiten Insolvenzfall innerhalb weniger Monate: Anfang Februar war bereits ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der örtlichen Walzengießerei eröffnet worden.
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