Der bayerische Elektronikhändler Pollin steckt in der Zahlungskrise. Das Amtsgericht Ingolstadt hat bereits reagiert und einen Verwalter eingesetzt.
Joachim Exner, Rechtsanwalt aus Nürnberg, übernimmt die Verantwortung für einen der bekanntesten deutschen Anbieter von Elektronikrestposten. Das Amtsgericht Ingolstadt bestellte ihn unter dem Aktenzeichen IN 401/26 zum Insolvenzverwalter, nachdem das Unternehmen am 29. Juli 2026 die Zahlungsunfähigkeit erklärte. Exner formulierte sein Ziel klar: „Unser Ziel ist die Fortführung des Unternehmens.“
Rund 140 Beschäftigte am Firmensitz im bayerischen Pförring sind von der Schieflage betroffen. Ihre Löhne bleiben vorerst gesichert. Das staatliche Insolvenzgeld springt bis Oktober 2026 ein und übernimmt die Lohnzahlungen für diesen Zeitraum. Sowohl der stationäre Handel als auch der Versandhandel sollen während des laufenden Verfahrens weiterbetrieben werden.
Pollin blickt auf eine ungewöhnlich lange Unternehmensgeschichte zurück. Die Wurzeln des Betriebs reichen bis ins Jahr 1891 zurück, damals noch als Maschinenhandel. Den Einstieg in das Elektronikgeschäft vollzog Max Pollin senior im Jahr 1972. Er erwarb die Konkursmasse des Unternehmens EMUD und vermarktete die Ware über Anzeigen in der Fachzeitschrift Funkschau. Zwei Jahre später folgte die formelle Gewerbeanmeldung im Bereich des Einzel und Grosshandels mit elektronischen Bauteilen. Seit Mai 2001 betreibt das Unternehmen unter der Adresse pollin.de zusätzlich einen Onlineshop.
Das Geschäftsmodell von Pollin basierte jahrzehntelang auf dem Verkauf von Restposten und Auslaufware zu niedrigen Preisen. Elektronikbastler und Hobbytechniker zählten zur Kernkundschaft. Über die genauen Ursachen der aktuellen Finanzprobleme machte das Unternehmen bislang keine Angaben. Auch auf der eigenen Webseite fehlte zum Zeitpunkt der Berichterstattung jede Mitteilung zur Lage.
Der Markt für preisgünstige Elektronikkomponenten hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Chinesische Versandhändler drängen mit aggressiven Preisen auf den europäischen Markt und setzen etablierte Anbieter unter erheblichen Wettbewerbsdruck.
Eine laufend aktualisierte Übersicht weiterer Firmeninsolvenzen im DACH Raum finden Sie unter Aktuelle Insolvenzen.
