Kaum ein Jahr nach dem letzten Rettungsversuch steht der Haushaltswarenhändler Kodi erneut vor dem wirtschaftlichen Neustart. Diesmal drohen deutlich mehr Einschnitte als beim vorangegangenen Sanierungsversuch.
Das Unternehmen mit operativem Hauptstandort in Oberhausen beantragte beim Amtsgericht Halle an der Saale die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unter eigener Regie. Das Gericht ordnete eine vorläufige Eigenverwaltung bereits an. Das bedeutet: Die bisherige Unternehmensführung bleibt im Amt und steuert den Sanierungsprozess selbst. Der Rechtsanwalt Lucas Flöther überwacht das Verfahren als vorläufiger Sachwalter.
Geschäftsführer Fabian Grund rechnet mit der Schließung von rund 50 der derzeit noch 150 Verkaufsstellen. Welche Standorte betroffen sein werden, steht noch nicht fest. Mit den Schließungen geht unweigerlich ein Stellenabbau einher. Derzeit beschäftigt die Kodi Handels GmbH etwa 1.200 Mitarbeiter. Ihre Löhne und Gehälter sind für Juli, August und September durch staatliches Insolvenzgeld abgesichert. Bis auf Weiteres laufen alle verbliebenen Filialen ohne Einschränkungen weiter.
Grund verwies auf ein schwieriges Marktumfeld. Der stationäre Einzelhandel in Deutschland leide unter schwacher Kauflaune der Verbraucher, wachsendem Druck durch den Onlinehandel sowie hohen Energie, Miet und Lohnnebenkosten.
Die Wurzeln der aktuellen Krise reichen tief. Bereits 2024 durchlief das 1981 gegründete Unternehmen ein sogenanntes Schutzschirmverfahren. Damals schrumpfte das Filialnetz von rund 240 auf 150 Standorte. Mehr als 500 Beschäftigte verloren seinerzeit ihre Stellen. Der juristische Sitz der Gesellschaft liegt in Landsberg in Sachsen-Anhalt.
Erschwerend kommt eine Entwicklung bei der Muttergesellschaft hinzu. Diese übernahm im Februar dieses Jahres die Handelskette Mäc Geiz, die vor allem in Ostdeutschland mit gut 180 Filialen vertreten ist. Bereits im Mai beantragte auch Mäc Geiz beim Amtsgericht Halle an der Saale die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Dort stehen ebenfalls Filialschließungen zur Debatte.
Der Non-Food-Discounter Kodi vertreibt schwerpunktmäßig Haushaltswaren und Drogerieprodukte. Die meisten seiner Standorte befinden sich in Nordrhein-Westfalen.
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