Der norwegische Batteriehersteller Morrow Batteries hat Konkursantrag gestellt. Der Verwaltungsrat entschied, für die Muttergesellschaft sowie die Tochterunternehmen Morrow Technologies AS und Morrow Industrialization Center AS Insolvenzverfahren einzuleiten. Damit scheitert eines der ambitioniertesten Projekte zum Aufbau einer europäischen Batteriezellproduktion, das 2020 gegründet worden war.
Besonders bitter: Kurz vor dem Zusammenbruch hatte das Unternehmen noch Fortschritte erzielt. Im April 2026 erfolgten erste kommerzielle Lieferungen an den finnischen Partner Proventia Oy, zudem war ein Vertrag mit einem deutschen Rüstungsunternehmen abgeschlossen worden. Die Liquidität reichte dennoch nicht mehr aus, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Strukturelle Probleme als Hauptursache
Morrow befand sich in einer kapitalintensiven Aufbauphase, die auf ein denkbar ungünstiges Marktumfeld traf. Überkapazitäten, sinkende Preise und gestiegene Finanzierungskosten setzten dem Unternehmen zu. Gespräche mit Investoren und öffentlichen Stellen führten zu keiner tragfähigen Lösung.
Dabei fehlte es nicht an finanzieller Unterstützung. Anteilseigner wie Å Energi, Siemens Financial Services und ABB steuerten rund 307 Millionen Euro Eigenkapital bei. Hinzu kamen staatliche Darlehen, Fördermittel sowie Investitionen des Industrieimmobilieninvestors Siva in Höhe von rund 50 Millionen Euro für den Bau einer Spezialfabrik. Insgesamt flossen mehrere hundert Millionen Euro in das Projekt.
Ein Kennwert, der in der Branche als entscheidender Überlebensindikator gilt, dürfte dabei eine Rolle gespielt haben: die sogenannte First Pass Yield, also der Anteil fehlerfreier Batteriezellen direkt aus dem Produktionsprozess. Branchenexperten nennen 95 Prozent als Mindestwert, der innerhalb von 18 Monaten nach Produktionsstart erreicht werden sollte. Wer diesen Wert verfehlt, produziert strukturell zu teuer. Chinesische Hersteller wie EVE Energy melden bereits über 97 Prozent, während westliche Konkurrenten häufig hinterherhinken.
Krise erfasst gesamte westliche Batteriebranche
Morrow reiht sich in eine Serie von Misserfolgen ein. Seit Anfang 2025 haben mindestens 14 Batteriehersteller außerhalb Chinas den Betrieb eingestellt oder geraten in ernste Schwierigkeiten. Bekanntestes Beispiel bleibt das schwedische Unternehmen Northvolt, das trotz eines Kapitaleinsatzes von rund 15 Milliarden US-Dollar scheiterte.
Das Amtsgericht Agder wird einen Insolvenzverwalter bestellen. Betroffene Mitarbeiter sind durch das norwegische Lohngarantiesystem abgesichert. Technologie und Vermoegenswerte des Unternehmens koennten unter neuer Eigentuememerschaft weitergenutzt werden.
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