Die Bergischen Edelstahlwerke aus dem Bergischen Land haben einen Antrag auf vorläufige Insolvenz gestellt. Rund 130 Beschäftigte erfuhren davon in einer außerordentlichen Betriebsversammlung. Haydar Tokmak, Sekretär der IG Metall, bestätigte die Entwicklung.
Trotz einer soliden Auftragslage fehlt dem Unternehmen derzeit die nötige Liquidität. Um diese wiederherzustellen, sollen die Mitarbeiter in den Monaten Februar bis April Insolvenzausfallgeld erhalten. In diesem Zeitraum will die Geschäftsführung gezielt nach neuen Investoren suchen und sich finanziellen Spielraum verschaffen. Erste Gespräche mit einem potenziellen Geldgeber haben bereits stattgefunden.
Tokmak äußerte auf der Betriebsversammlung scharfe Kritik an der Muttergesellschaft Callista Private Equity GmbH. Es sei nicht hinnehmbar, dass der Eigentümer die Belegschaft in einer schwierigen Phase ohne Unterstützung zurücklasse. Trotz dieser Verstimmung herrsche Einigkeit darüber, dass alle Beteiligten nun gemeinsam für den Erhalt der Arbeitsplatze kämpfen müssten.
Callista hatte die Sparten Gießerei und Stahlwerk erst vor weniger als einem Jahr vom Ründerother Traditionsunternehmen Doerrenberg Edelstahl übernommen. Dem vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Plappert zufolge hat Callista das Unternehmen nach Bekanntwerden der Insolvenz bereits weiterveräußert. Plappert, Fachanwalt für Insolvenz und Sanierungsrecht aus Lüdenscheid, erklärte, die Liquiditätslücke sei entstanden, weil sich ein wichtiger Auftrag zeitlich verschoben habe. Dem stünden jedoch Aufträge mit einem Gesamtvolumen von fünf Millionen Euro gegenüber. Oberstes Ziel sei es daher, die laufenden Kundenaufträge ohne Unterbrechung zu erfüllen und das Unternehmen zu stabilisieren.