Der traditionsreiche Augsburger Bandstahlproduzent J.N. Eberle & Cie. GmbH steht unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Das Amtsgericht Augsburg ordnete das Verfahren an. Die rund 250 Beschäftigten wurden auf einer Betriebsversammlung informiert.
Georg Jakob Stemshorn von der Pluta Rechtsanwalts GmbH übernimmt die vorläufige Insolvenzverwaltung. Er betont, dass der laufende Betrieb zunächst gesichert sei und alle Aufträge weiter abgewickelt würden. Die Gehälter der Mitarbeiter sind durch Insolvenzgeld für drei Monate abgedeckt. Geschäftsführer Gernot Egretzberger sprach von konstruktiven Gesprächen mit dem Verwalter und der gemeinsamen Suche nach tragfähigen Lösungen.
Als Auslöser nennt das Unternehmen Liquiditätsprobleme, die sich aus einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld ergaben. Hohe Energiekosten, geopolitische Spannungen und eine nachlassende Industrienachfrage belasteten die Geschäftsentwicklung erheblich. Bereits Mitte vergangenen Jahres hatte Egretzberger die angespannte Lage öffentlich eingeräumt.
Auch die Muttergesellschaft Greiffenberger AG kämpft mit denselben Problemen und hat ihrerseits einen Insolvenzantrag gestellt. Der Konzernbericht für 2024 dokumentierte Verluste von 7,1 Millionen Euro, wachsende Verbindlichkeiten und Kredite mit ungesicherter Zukunft. Das Management warnte ausdrücklich vor Risiken für die Unternehmensfortführung.
Trotz eingeleiteter Restrukturierungsmaßnahmen gelang keine Stabilisierung. Eberle hatte Teile der Fertigung ins polnische Kłodzko verlagert und einen Umzug des Augsburger Standorts vom Stadtteil Pfersee in ein moderneres Werk im Lechhauser Industriegebiet geplant. Dieses Vorhaben war jedoch mangels Finanzierung kaum realisierbar. Den bisherigen Firmensitz in Pfersee hatte das Unternehmen bereits früher verkauft und zurückgemietet, um Schulden zu reduzieren. Der Mietvertrag läuft 2027 aus.
Stemshorn kündigte an, in den kommenden Wochen einen strukturierten Prozess zur Kapitalbeschaffung einzuleiten und zunächst alle wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu analysieren.
Eberle blickt auf eine fast 200 Jahre alte Unternehmensgeschichte zurück. Gegründet 1836, gehört das Unternehmen zu den ältesten Industriebetrieben der Region und ist auf Präzisionsbandstahl, Bimetall und Bandsägen spezialisiert. Wie es mit diesem Erbe weitergeht, ist derzeit völlig offen.
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