Ende April kam das abrupte Ende für die Waco Aircraft Corporation: Der US-amerikanische Flugzeughersteller aus Battle Creek im Bundesstaat Michigan stellte den Betrieb ohne Vorwarnung ein. Die rund 40 Beschäftigten erfuhren am 28. April per E-Mail davon, dass sie ihre Arbeit sofort niederlegen sollten.
In einer Mitteilung an die Belegschaft erklärten die Eigentümer, alle verfügbaren Optionen ausgeschöpft zu haben. Sowohl die Flugzeugproduktion als auch die Wartungsdienstleistungen wurden mit sofortiger Wirkung eingestellt.
Waco galt als einer der letzten Hersteller, der historische Doppeldecker in reiner Handarbeit fertigte. Das Unternehmen war auf zwei Modelle spezialisiert: die YMF-5, ein Dreisitzer mit 300-PS-Sternmotor, der auf ein Vorbild aus dem Jahr 1935 zurückgeht, sowie die Great Lakes, eine zweisitzige Kunstflugmaschine aus dem Jahr 1929. Beide Typen wurden ohne moderne Fertigungsautomation produziert und richteten sich an Piloten, die das Fliegen in seiner ursprünglichen Form erleben wollten: offenes Cockpit, kaum Elektronik, dafür das direkte Gefühl der frühen Luftfahrt.
Neben der Neuproduktion übernahm Waco auch Wartungsarbeiten an historischen Maschinen, die einst von der ursprünglichen Weaver Aircraft Company stammten. Dieses Unternehmen wurde 1920 in Ohio gegründet und produzierte bis 1946 eine breite Palette an Doppeldeckern. In den 1960er Jahren lebte der Name Waco kurzzeitig als Lizenzmarke für europäische Leichtflugzeuge wieder auf, bevor das Erbe schließlich in Battle Creek fortgeführt wurde.
Mit der Schließung verliert die Nischensparte der handgefertigten Nostalgieflugzeuge einen ihrer letzten verbliebenen Vertreter. Ob ein Investor den Betrieb übernimmt oder die Produktion dauerhaft zum Erliegen kommt, ist derzeit offen.
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