Der Maschinenbauer Vollmer aus Biberach an der Riß steckt in finanzieller Not. Das Familienunternehmen hat beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Es will die Sanierung in Eigenverwaltung durchführen. Die Geschäftsführung bleibt dabei im Amt. Der Betrieb am Stammsitz läuft weiter.
Eigenverwaltung unter Aufsicht eines Sachwalters
Bei einer Eigenverwaltung steuert die bisherige Führung das Unternehmen auch während des Verfahrens selbst. Ein vom Gericht bestellter Sachwalter überwacht sie jedoch und wahrt die Interessen der Gläubiger. Diese Aufgabe übernimmt Holger Leichtle, ein Rechtsanwalt aus Stuttgart.
Die Betriebsfinanzierung ist nach Angaben des Unternehmens für sechs Monate nach der Antragstellung gesichert. Zudem arbeitet die Führung an einem Sanierungsplan. Weitere Einschnitte beim Personal schließt sie nicht aus. Bereits im November 2025 hatte Vollmer angekündigt, am Stammsitz rund 15 Prozent der Personalkosten einzusparen.
Entgelt für Beschäftigte zunächst gesichert
Weltweit beschäftigt Vollmer etwa 1.200 Menschen, davon rund 450 in Biberach. Für sie greift zunächst das Insolvenzgeld. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt es für höchstens drei Monate vor der Eröffnung des Verfahrens. Es ersetzt das ausfallende Nettoentgelt. Damit erhalten die Mitarbeiter am Stammsitz in dieser Zeit ihr Einkommen, ohne dass die Firma es aus eigener Kasse aufbringen muss.
Wegbrechende Aufträge und teure Pläne
Das Unternehmen, 1909 gegründet, stellt Maschinen zum Schärfen, Schleifen und Erodieren sowie Anlagen zur Laserbearbeitung her. Kunden sind die holz- und metallverarbeitende Industrie. Bei Werkzeugschärfmaschinen gilt Vollmer als Weltmarktführer.
Mehrere Faktoren setzten dem Betrieb zu. Nach dem Krieg in der Ukraine brach der Handel mit Russland weg. Dorthin ging nach Firmenangaben zuvor etwa jeder zehnte Euro des Umsatzes. Hinzu kamen eine schwache Weltwirtschaft und eine sinkende Nachfrage. Auch höhere Kosten und Lieferengpässe belasteten die Firma. Zahlen zum Gesamtumsatz nannte das Unternehmen nicht.
Schwer wog außerdem ein Bauvorhaben. Vollmer wollte in Biberach ein neues Werk errichten, legte das Projekt aber 2023 auf Eis. Die veranschlagten Investitionen hätten sich von ursprünglich 100 auf etwa 150 Millionen Euro erhöht. Vor dem Insolvenzantrag musste die Belegschaft wiederholt kurzarbeiten.
Weitere Pleiten in Biberach
Vollmer ist nicht das erste Unternehmen der Stadt, das in Schieflage geriet. Nach Angaben des Oberbürgermeisters meldeten zuvor schon die Karosseriefabrik Biberach und das Modehaus Warth Insolvenz an. Dasselbe gilt für Keim & Brecht, eine Bäckerei am Ort.
Wie es bei Vollmer weitergeht, hängt vom Sanierungsplan ab. Er soll zeigen, ob und in welchem Umfang sich der Standort Biberach halten lässt.
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