Der Umsatz lag zuletzt bei 18,1 Millionen Euro, doch das reichte nicht: Der schleswig-holsteinische Fahrradbauer Böttcher steht vor einem ungewissen Schicksal. Das Unternehmen aus Wesseln im Kreis Dithmarschen kämpft seit dem 7. Oktober 2026 offiziell um seine Existenz.
An diesem Tag bestellte das Amtsgericht Meldorf Rechtsanwalt Vanja Alexander Kovacev als vorläufigen Verwalter im Insolvenzverfahren. Kovacev ist bei der Wirtschaftskanzlei CMS tätig. Die Suche nach einem Investor läuft bereits.
Betrieb geht vorerst weiter
Fast 100 Beschäftigte bangen um ihre Stellen. Ihre Gehälter sind vorerst für drei Monate durch staatliches Insolvenzgeld abgesichert. Geschäftsführer Hauke Niemann betonte, dass laufende Kundenaufträge planmäßig erledigt werden. Neue Aufträge nehme das Unternehmen weiterhin an. „Wir rechnen derzeit nicht mit Verzögerungen bei der Bearbeitung bestehender Aufträge“, so Niemann. Das Unternehmen werde auch bei den bevorstehenden Böttcher Bike Days Kunden empfangen und Bestellungen aufnehmen.
Investorensuche bereits vor der Krise gestartet
Bemerkenswert ist, dass die Unternehmensführung den Investorenprozess schon vor der Antragstellung auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens angeschoben hatte. Darauf lässt sich nun unmittelbar aufbauen, erklärte Kovacev. Interessierte Geldgeber seien ausdrücklich zur Kontaktaufnahme eingeladen. Ein vorläufiger Gläubigerausschuss begleitet den Sanierungsprozess. Schon vor der Zahlungsunfähigkeit hatte die Restrukturierungsberatung SJPP das Unternehmen unterstützt. Den Investorenprozess betreut ein Team der Beratungsgesellschaft Enomyc.
Über die Ursachen der Schieflage schweigt das Unternehmen. Ob der Betrieb dauerhaft fortgeführt werden kann, bleibt offen.
Wurzeln reichen bis 1851 zurück
Die Geschichte des Unternehmens ist lang. Böttcher blickt auf eine 175-jährige Tradition zurück und gehört damit zu den ältesten Fahrradherstellern Deutschlands. Das Unternehmen produziert Fahrräder und betreibt zugleich Großhandel, vorrangig für gewerbliche Abnehmer. Im Jahr 2025 erzielte Böttcher einen Jahresumsatz von rund 18,1 Millionen Euro. Zuletzt hatte das Unternehmen seine Marke neu ausgerichtet und das Angebot an individuell konfigurierbaren Rädern ausgebaut. Ob diese Bemühungen noch zum Tragen kommen, entscheiden nun Insolvenzverwalter und potenzielle Investoren.
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