Gesperrte Konten, kein Zahlungsverkehr, ein einziger Importeur für drei Länder – und das alles wegen eines mutmaßlichen Verbrecherbosses aus Kambodscha. Der Zigarrenhändler 5th Avenue Products Trading aus Waldshut-Tiengen steht vor einem Problem, das nichts mit seinem eigentlichen Geschäft zu tun hat.
49 Beschäftigte bangen um ihre Stellen. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht am 9. September den Freiburger Rechtsanwalt André Berbuer.
Dabei brummt das Kerngeschäft. 5th Avenue Products Trading beliefert rund 200 Händler in Deutschland mit 27 Zigarrenmarken, darunter Cohiba, Montecristo und Bolívar. Das Unternehmen ist der einzige zugelassene Importeur kubanischer Zigarren für Deutschland, Österreich und Polen. Eigene Verkaufsflächen betreibt es nicht.
Der Auslöser der Krise liegt weit entfernt. Kern des Problems sind Sanktionen der Europäischen Union gegen die kambodschanische Prince Holding Group und ihren Gründer Chen Zhi. Der Organisation werfen Ermittler unter anderem Onlinebetrug, Menschenhandel, Entführungen und Folter vor. Chen Zhi wurde inzwischen verhaftet und in die Volksrepublik China verbracht.
Die Verbindung zu Waldshut-Tiengen ist komplex. Chen Zhi soll über internationale Holdingstrukturen mittelbar an der halbstaatlichen kubanischen Habanos S.A. beteiligt sein. Habanos wiederum hält Anteile an 5th Avenue Products Trading, das 1989 als Gemeinschaftsunternehmen mit dem kubanischen Staatskonzern gegründet wurde. Rechnerisch werden Chen Zhi damit 16 Prozent an dem deutschen Unternehmen zugerechnet.
Für die Banken reichte das. Sämtliche Konten des Unternehmens sind gesperrt, kein Zahlungsverkehr ist möglich. Insolvenzverwalter Berbuer betont, dass ausreichend Geld vorhanden sei. Das Geld ist da, aber unerreichbar. Berbuer verhandelt derzeit mit den zuständigen Bundesbehörden über eine zumindest teilweise Freigabe der Vermögenswerte.
Für den deutschen Tabakfachhandel verschärft sich die Lage zusätzlich. Da 5th Avenue Products Trading als Alleinimporteur agiert, existieren keine alternativen Bezugsquellen für Habanos-Zigarren. Händler, die ihr Sortiment stark auf diese Marken ausgerichtet haben, drohen in Lieferschwierigkeiten zu geraten. Das Unternehmen erklärte, eine Wiederaufnahme des Betriebs anzustreben, sobald die rechtlichen Voraussetzungen dies ermöglichen.
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