Sa.. Sep. 12th, 2026

Ein traditionsreicher Hersteller von Präzisionsstahlrohren steckt in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Das Amtsgericht Essen eröffnete am 9. September ein vorläufiges Insolvenzverfahren gegen die Prinz & Co. GmbH Stahlrohre mit Sitz in Wickede in Nordrhein-Westfalen. 310 Beschäftigte an vier deutschen Standorten bangen nun um ihre Stellen.

Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann aus Essen übernimmt als vorläufiger Verwalter die Aufsicht über das Verfahren. Er wird dabei von seinem Kollegen Dr. Dominic Poster unterstützt. Beide richten ihren Fokus auf die gesamte Prinz-Mayweg-Gruppe, zu der das Unternehmen gehört.

Die Wurzeln des Familienbetriebs reichen bis ins Jahr 1896 zurück. Über mehr als 130 Jahre wuchs das Unternehmen zu einem international tätigen Spezialisten heran. Seine geschweißten und gezogenen Stahlrohre stecken in Autositzen, Cockpithalterungen, Airbagsystemen und hydraulischen Kofferraumklappen. Kunden weltweit zählen auf diese Produkte.

Die Krise trifft zunächst die deutschen Werke. Am Stammsitz in Wickede arbeiten 110 Menschen, in Altena sind es 150, in Werl 20 und in Westönnen weitere 30 Beschäftigte. Die Prinz-Mayweg-Gruppe betreibt darüber hinaus zwei Standorte im Ausland, in Ostrava in Tschechien und in Ilhavo in Portugal, mit insgesamt rund 400 Mitarbeitern weltweit.

Als Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit nennt Holzmann mehrere zusammenwirkende Faktoren. Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise belasteten die Kostenseite erheblich. Hohe Fixkosten verschärften den Druck zusätzlich. Den entscheidenden Ausschlag gab ein massiver Umsatzrückgang in den Sommermonaten, der den Betrieb schließlich in die Bredouille brachte. Übergeordnet wirkt die anhaltende Schwäche der Automobilindustrie als strukturelles Problem.

Dennoch bleibt Holzmann vorsichtig zuversichtlich. Die Auftragslage sei derzeit stabil, die Belegschaft qualifiziert und das Produktportfolio wettbewerbsfähig. Der Betrieb läuft ohne Einschränkungen weiter. Die Löhne und Gehälter sind für drei Monate über staatliches Insolvenzgeld abgesichert.

Gespräche mit Kunden und Lieferanten haben bereits begonnen. Parallel dazu sucht die Verwaltung nach potenziellen Investoren. Das erklärte Ziel ist die Sanierung und langfristige Rettung des Unternehmens.

Weitere Insolvenzfälle aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in unserer Übersicht Aktuelle Insolvenzen.

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