Zwei Jahre Ungewissheit: Die Warnow-Klinik im mecklenburgischen Bützow steckt mitten in einem Wettlauf gegen die Zeit. Das Krankenhaus hat die Eröffnung des Hauptverfahrens zur Sanierung in Eigenverwaltung zum 1. August vollzogen. 191 Beschäftigte und die medizinische Grundversorgung einer ländlichen Region stehen auf dem Spiel.
Der entscheidende Knackpunkt liegt nicht im Haus selbst, sondern in Berlin. Die laufende Krankenhausreform des Bundes stuft die Einrichtung als Kleinstkrankenhaus ein. Geschäftsführer Marco Krüger bringt das Problem auf den Punkt: In der bisherigen Struktur lässt sich der Betrieb nicht mehr kostendeckend führen.
Als Ausweg hat die Klinikleitung die Umwandlung in eine sogenannte sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung beantragt. Alle 71 Betten sollen in dieses neue Modell überführt werden, das stationäre Grundleistungen mit ambulanten und pflegerischen Angeboten verbindet. Schwerpunkte sollen die Innere Medizin, die Altersmedizin und die Palliativmedizin bilden.
Doch der Zeitplan bereitet der Klinikleitung Sorgen. Der Wechsel in die neue Versorgungsform könnte frühestens zum 1. Januar 2027, möglicherweise sogar erst ein Jahr später greifen. Solange Bund und Länder über die künftige Finanzierung solcher Einrichtungen noch beraten, klafft eine gefährliche Lücke im Haushalt des Krankenhauses.
Um diese Zwischenphase zu überbrücken, verhandelt die Klinik derzeit mit den regionalen Krankenkassen über einen finanziellen Ausgleichsbeitrag zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Noch in diesem Monat erwartet Krüger konkrete Rückmeldungen.
Das Verfahren selbst ist der zweite Schritt eines bereits vor drei Monaten eingeleiteten Prozesses. Damals hatte die Klinik zunächst ein gerichtliches Schutzschirmverfahren genutzt, um Sanierungsmaßnahmen vorzubereiten. Löhne und Gehälter sicherte in dieser Phase die Bundesagentur für Arbeit ab. Nun behält die Klinikleitung unter Aufsicht der gerichtlich bestellten Sachwalterin Ulrike Hoge-Peters die operative Kontrolle. Unterstützung erhält sie dabei von Generalbevollmächtigtem Thomas Mulansky.
Der Krankenhausbetrieb läuft unterdessen ohne Einschränkungen weiter. Krüger betont, dass alle Behandlungen stattfinden und das Personal geschlossen hinter dem Sanierungskurs stehe. Das Unternehmen Curiates hatte die Warnow-Klinik Anfang 2024 übernommen. Weder Landesmittel noch Unterstützung durch die Hausbank reichten aus, um das Haus ohne gerichtlichen Schutz zu stabilisieren.
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