Nach mehr als einem Jahrhundert endet die Geschichte der Fleischerei Kempe. Der Familienbetrieb aus Olbernhau im Erzgebirge wird seinen Geschäftsbetrieb spätestens Anfang 2026 vollständig einstellen. Damit schließt ein Unternehmen, das für seine mehrfach ausgezeichneten Wurstwaren bekannt war und über viele Jahrzehnte einen festen Platz in der regionalen Lebensmittelproduktion hatte.
Bereits im November geriet die Firma in ein Insolvenzverfahren. Der Grund: offene Zahlungsverpflichtungen, die nicht mehr gedeckt werden konnten. Laut Insolvenzverwalter summieren sich die Außenstände auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Rund 50 Gläubiger sind betroffen. Die Hoffnung, noch einen geeigneten Käufer für die sieben verbliebenen Verkaufsstellen zu finden, hat sich zerschlagen.
Die Geschäftsführung hatte über längere Zeit versucht, den Betrieb zu erhalten. Nachfolger oder Investoren ließen sich jedoch nicht gewinnen. Die aktuelle wirtschaftliche Lage, steigende Kosten und eine deutliche Investitionszurückhaltung hätten die Situation verschärft. Der Betrieb, der seit seiner Gründung im Jahr 1889 kontinuierlich gewachsen war, geriet insbesondere in den vergangenen zwei Jahren in immer größere Schwierigkeiten.
Zusätzliche Belastungen entstanden durch umfangreiche Baumaßnahmen in den betroffenen Orten. Straßensperrungen und die Verlegung von Leitungen erschwerten den Zugang zu mehreren Filialen erheblich. Viele Kunden konnten die Geschäfte zeitweise kaum noch erreichen – ein Umstand, der sich spürbar auf den Umsatz auswirkte.
Drei Filialen wurden inzwischen geschlossen. In den verbleibenden Standorten sind noch 22 Mitarbeiter beschäftigt. Für sie wird es voraussichtlich zu Kündigungen kommen, da eine Weiterführung des Unternehmens ausgeschlossen ist. Einige Beschäftigte haben bereits neue Stellen gefunden oder sich beruflich umorientiert.
Damit endet die Geschichte eines Betriebs, der über vier Generationen hinweg in Familienhand geführt wurde und weit über das Erzgebirge hinaus für seine Produkte geschätzt war. Die endgültige Schließung markiert das Ende einer traditionellen Handwerkslinie, die in der Region lange eine besondere Rolle gespielt hat.