Sa. 29. Nov.. 2025

Ein nahezu zwei Jahrhunderte bestehendes Textilunternehmen aus Baden-Württemberg steht nach einem unerwarteten finanziellen Rückschlag vor einer existenziellen Herausforderung. Der Betrieb, der 1836 als kleine Seidenbandweberei im Raum Bad Säckingen entstand, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einem spezialisierten Hersteller technischer Gewebe – unter anderem für sicherheitsrelevante Produkte der Automobilbranche wie Airbag- und Schutztextilien.

Die Firma galt lange als verlässlicher Partner innerhalb der Zuliefererkette. Doch während sich die Automobilindustrie selbst in schwierigen Zeiten befindet, kommt nun ein weiterer Belastungsfaktor hinzu: Die geplante Übernahme durch einen Investor scheiterte kurzfristig. Für das Unternehmen, das erst vor Kurzem aus einem größeren Verbund herausgelöst wurde, war diese finanzielle Zusage ein zentraler Bestandteil der Zukunftsplanung. Ohne das zugesagte Kapital blieb keine Alternative, als den Schritt in ein Insolvenzverfahren zu gehen.

Dass das Unternehmen trotz dieser Situation in die Eigenverwaltung starten darf, zeigt, wie solide es bislang wirtschaftete. Die juristischen Anforderungen für ein solches Verfahren sind hoch: Offene Zahlungen oder gravierende Managementfehler würden eine Eigenverwaltung sofort ausschließen. Da die betrieblichen Abläufe jedoch geordnet waren und lediglich die zugesagte Finanzierung ausblieb, erhielt die Geschäftsführung die Chance, die Sanierung selbst zu steuern.

Der Standort in Murg soll vorerst weitergeführt werden. Branchenexperten halten eine Stabilisierung für möglich, sofern zeitnah externe Beratung sowie finanzielle Unterstützung zum Einsatz kommen. Der traditionsreiche Textilbetrieb verfügt weiterhin über spezialisierte Produktionsverfahren und Know-how, das am Markt gefragt bleibt – ein potenzieller Vorteil für die nun anstehende Neuaufstellung.

Ob es gelingt, die wirtschaftliche Basis wiederherzustellen, hängt maßgeblich davon ab, ob ein belastbarer Finanzpartner gefunden wird und ob die bisherigen Kunden trotz der Insolvenzphase an Bord bleiben. Die Verantwortlichen zeigen sich dennoch zuversichtlich und arbeiten daran, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern.

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